VDZ-Bilanz: Verlage rechnen mit leichtem Umsatzrückgang

Dienstag, 04. November 2008
Fürstner fordert mehr Freiraum von der Politik
Fürstner fordert mehr Freiraum von der Politik

Für das Jahr 2008 rechnen die deutschen Verlage mit einem Umsatzrückgang von 1,4 Prozent auf rund 7,6 Milliarden Euro. Mit Blick auf 2009 sind die Aussichten trübe. Deutlich mehr als die Hälfte der vom Verband Deutscher Zeitschriftenverlage (VDZ) befragten Mitglieder rechnet mit einer schlechteren wirtschaftlichen Lage als 2008. Die Verlage können sich nicht gänzlich von der globalen Entwicklung abkoppeln, Bereinigungseffekte sind daher nicht auszuschließen", sagt VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner bei der Präsentation der VDZ-Herbstumfrage in Berlin. „Vor allem die Werbemärkte sind verunsichert."

Entscheidend sei  daher, dass die Politik die Presse nicht mit immer weiteren Restriktionen belaste. Der VDZ fordert daher in einem sieben Punkte umfassenden Katalog unter anderem eine weitere Absenkungen des ohnehin reduzierten Mehrwertsteuersatzes, eine Korrektur des gerade abgesegneten 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrages, der ARD und ZDF weitgehende Freiheiten im Internet einräumt, sowie mehr Flexibilität bei Telefonmarketing und Abonnentenwerbung. Der derzeit vorliegende Referentenentwurf zum Bundesdatenschutzgesetz würde bei Inkrafttreten die Möglichkeiten der Abowerbung massiv behindern.

Bereits für das laufende Jahr rechnen 36 Prozent der Verlage mit einem Rückgang der Vertriebserlöse, immerhin noch 34 Prozent gehen jedoch von einem Zuwachs aus. Bei den Anzeigenerlösen rechnen bereits 41 Prozent mit einem Minus, aber auch 32 Prozent mit einem Plus. In den ersten neun Monaten haben vor allem die Medien selbst, die Autobauer, die Finanzbranche und der Handel ihre Spendings laut Nielsen im einstelligen Prozentbereich reduziert. Unter dem Strich schätzen entsprechend 30 Prozent der Verlage ihren Ertrag in 2008 besser als in 2007 ein, jedoch 41 Prozent schlechter.

Zum Wachstumstreiber in den nächsten Jahren avanciert erwartungsgemäß das Internet. 2009 wollen sich mehr als die Hälfte der Verlage im Bereich Online, aber auch bei der Crossmedialen Vermarktung stärker engagieren. Bis 2011 rechnen die Großverlage mit über 150 Millionen Euro Umsatz damit, über 15 Prozent ihres Umsatzes im Netz zu erzielen. Derzeit sind es durchschnittlich 9,3 Prozent. „Diese Entwicklung zeigt, dass die Verlage die Herausforderungen der Digitalisierung mit großer Energie für ihre Geschäftsfelder nutzen", so Fürstner. pap

Mehr zu Marktbereinigung und den Folgen des neuen Bundesdatenschutzgesetzes in HORIZONT 45/2008 von Donnerstag, 6. November 2008
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