Unternehmensgruppe Aschendorff greift nach "Westfalen Blatt"

Freitag, 06. Januar 2012
Geschäftsführer beim "Westfalen Blatt" ist nach wie vor Michael Best
Geschäftsführer beim "Westfalen Blatt" ist nach wie vor Michael Best

"In zwei Schritten" will die Unternehmensgruppe Aschendorff den Verlag des "Westfalen Blatts" übernehmen. Das Bundeskartellamt äußerte in einem Bericht von Dienstag keine Einwände. Demnach kann das Münsteraner Medienunternehmen die C. W. Busse Holding offenbar komplett erwerben. Erst im Juli war die Gruppe, die als Herausgeber der "Westfälischen Nachrichten" als Platzhirsch im Münsterland gilt, als Minderheitsgesellschafter mit 24,9 Prozent bei der Holding eingestiegen. Zunächst ließ der Verlag zu dieser Zeit keine weiteren Ambitionen auf eine Übernahme der Mehrheit erkennen, bei dem Zukauf handle es sich lediglich um eine "Finanzbeteiligung", hieß es damals. Der Bericht des Kartellamts spricht nun eine andere Sprache. Aschendorff plane den "Erwerb der alleinigen Kontrolle über die C.W. Busse Holding".

Weiter heißt es, dass "der geplante Zusammenschluss keine Verstärkung der in einigen räumlichen Märkten bestehenden marktbeherrschenden Stellungen der Verlage erwarten" lasse. Die Verbreitungsgebiete der "Westfälischen Nachrichten" und des "Westfalen Blatts" würden lediglich in einem kleinen Gebiet aneinandergrenzen und keine Überschneidungen aufweisen.

Die C.W. Busse Holding gibt nicht nur das "Westfalen Blatt" heraus, das in einer Auflage von 119.000 Exemplaren in und um Bielefeld und Gütersloh erscheint, sondern mit ihren diversen Tochterunternehmen auch zahlreiche Anzeigenblätter in derselben Region. Gesellschafter waren bisher die Familie Busse mit 92,7 Prozent und Michael Best, der auch Geschäftsführer der Holding und der Westfalen-Blatt GmbH ist. Bisher war nur der Regionalzeitungsverleger Dirk Ippen (unter anderem "Münchner Merkur") mit einem kleinen Anteil direkt am "Westfalen Blatt" beteiligt, den er der Axel Springer AG abgekauft hatte.

Hinter Aschendorff stehen die Cousins Benedikt und Eduard Hüffer als Mitgesellschafter und Geschäftsführer. Die beiden Juristen treten öffentlich kaum in Erscheinung. Zur Unternehmensgruppe zählen unter anderem Anzeigenblätter, Zeitschriften, Radio-Beteiligungen, Buch- und Fachverlage sowie ein lokaler Internet-TV-Sender. Die Gruppe soll insgesamt rund 100 Millionen Euro im Jahr umsetzen.

Die Übernahme untermauert die schleichenden Konzentrationstendenzen im Zeitungsgewerbe. Ein weiterer unabhängiger Verlag verschwindet. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen des Deutschen Journalistenverbands (DJV-NRW) befürchtet eine Beschneidung der Medienvielfalt in Ostwestfalen. Eine teilweise Zusammenlegung von Redaktion, Anzeigenvermarktung, Druck und Vertrieb mit anderen Blättern aus dem Hause Aschendorff sei durchaus möglich. Geschäftsführer Best habe dem DJV-NRW aber versichert, dass die bisherige Eigentümerfamilie Busse die Mehrheit an der Holding und der Westfalen-Blatt-Gruppe behalte. kl
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