"Unser tägliches Brot": Wie CP-Dienstleister mit Social Media umgehen

Donnerstag, 15. November 2012
CP-Dienstleister müssen heute alle Medienkanäle beherrschen
CP-Dienstleister müssen heute alle Medienkanäle beherrschen


Mangelnde Kompetenz in Sachen Social Media wollen sich Corporate Publisher nicht nachsagen lassen: Bernd Ziesemer, Geschäftsführer von Hoffmann & Campe in Hamburg verwehrt sich gegen den Vorwurf, den Ansprüchen von Unternehmen an Social-Media-Auftritte als CP-Dienstleister nicht schnell genug dienen zu können. Das Gegenteil sei der Fall: "Viele Unternehmen sind mit dem Bespielen unterschiedlicher Medienkanäle überfordert und haben kein stringentes Kommunikationskonzept", sagt er. Corporate Publisher könnten hier kompetent beraten - vorausgesetzt, sie investieren in qualifizierte Mitarbeiter. Für den Report "Kundenmedien II" hat HORIZONT Ziesemer und weitere CP-Anbieter zu ihrem Umgang mit Web-, Tablet-, Mobile- und Social-Media-Varianten befragt. Lesen Sie auf den folgenden Seiten seine und die Antworten von Thomas Kuhn (WDV) und Stefan Endrös (Journal International). Die komplette Umfrage finden Sie in HORIZONT Ausgabe 46, Report "Kundenmedien II" und als PDF über HORIZONT-Facebook

Bernd Ziesemer, Hoffmann & Campe
Bernd Ziesemer, Hoffmann & Campe

Bernd Ziesemer, Geschäftsführer Hoffman & Campe, Hamburg

Welches sind die größten Hürden, die sich bei der Erstellung von Online-, Tablet- und Mobile-Varianten von Kundenzeitschriften in der Zusammenarbeit mit Ihren Kunden ergeben und wie stellen Sie bei Ihren Projekten einen effizienten Work-flow sicher?
Unternehmenskommunikation über verschiedene Kanäle ist für uns bereits das tägliche Brot bei fast allen Kunden. Der Schlüssel für alles ist Beratung: Als Kommunikationsarchitekten konzipieren wir gemeinsam mit unseren Kunden mediale Gebäude, die optimal zu ihnen passen. Fertighäuser gibt es bei uns nicht. Die Umsetzung erfolgt dann über ein Team, das wir speziell für den Kunden zusammenstellen - und nicht aus einem anonymen Redaktionspool heraus. Bei komplexen Aufträgen mit vielen Versionen und Sprachen setzen wir immer auf ein Redaktionssystem oder sogar eine große Newsroom-Lösung. Ich war vor Jahren der erste Chefredakteur in Deutschland, der so etwas in einer Tageszeitung eingeführt hat. Und baue jetzt darauf auf.

Beim Bespielen von Social-Media-Kanälen wird die Eignung externer CP-Dienstleister etwa für schnelles (Re)Agieren im Sinne des Unternehmens vielfach hinterfragt. Welche Lösungswege können Sie Ihren Kunden anbieten?
Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Viele Unternehmen sind mit dem Bespielen unterschiedlicher Medienkanäle überfordert und haben kein stringentes Kommunikationskonzept. Auch sind Zuständigkeiten oft nicht eindeutig geregelt. Hier können Corporate Publisher beratend eingreifen und Kommunikationswege optimieren. Mit einem festen CP-Team, das die Kommunikation für einen Kunden zentral auf allen Medien umsetzt - in engem Austausch mit diesem, kann man auch die Facebook-Kommunikation optimal organisieren. An ihre Grenzen geraten jedoch CP-Dienstleister, die auf der Billigschiene unterwegs sind und unterschiedliche Kunden mit gering qualifizierten Mitarbeitern aus einem Redaktionspool heraus bedienen wollen.

Thomas Kuhn, WDV
Thomas Kuhn, WDV

Thomas Kuhn, Geschäftsführender Gesellschafter WDV, Bad Homburg

Welches sind die größten Hürden, die sich bei der Erstellung von Online-, Tablet- und Mobile-Varianten von Kundenzeitschriften in der Zusammenarbeit mit Ihren Kunden ergeben und wie stellen Sie bei Ihren Projekten einen effizienten Work-flow sicher?
Multichannel Communication braucht Struktur und Transparenz. Die verschiedenen Medienkanäle funktionieren nach eigenen Regeln, denen wir als CP-Dienstleister gerecht werden müssen. In der Konzeption und Umsetzung einer Multichannel-Lösung ist daher Know-how zur Funktionsweise digitaler Medienkanäle nötig. Auf Kundenseite sind die Auftraggeber oft auf mehrere Units verteilt, sodass die Beteiligten zusammengebracht und einheitliche Prozesse etabliert werden müssen. Dabei setzen wir auf klare Prozesse und nutzen für Kommunikation, Dokumentation und Freigabe Softwarelösungen, die wir teils eigens entwickelt haben, wie Wikis, Ticketsysteme oder WDV Compass, unser Browser-basierter Content-Management-Assistant.

Beim Bespielen von Social-Media-Kanälen wird die Eignung externer CP-Dienstleister etwa für schnelles (Re)Agieren im Sinne des Unternehmens vielfach hinterfragt. Welche Lösungswege können Sie Ihren Kunden anbieten? Da sind wir ganz bei den Kritikern einer externen Vergabe. Im Bereich Social Media ist es unsere Philosophie, die Kunden ganzheitlich zu beraten und für die sehr spezielle Social-Media-Kommunikation zu qualifizieren - weg von einer reaktiven Kommunikation, hin zum aktiven Gestaltungs-Management mit „Anti-Shit-Storm-Strategien". Unser Fokus liegt also weniger auf dem Betreiben einer Unternehmens-Fanpage als auf Beratung und Konzeption. Bei Bedarf unterstützen wir Kunden auch bei der redaktionellen Planung - gerade wenn es um Multichannel Communication geht. Social-Media-Kommunikation muss glaubwürdig und transparent sein. Diese Glaubwürdigkeit transportieren die Mitarbeiter des kommunizierenden Unternehmens am besten.

Stefan Endrös, Journal International
Stefan Endrös, Journal International

Stefan Endrös, Geschäftsführer Journal International, München

Welches sind die größten Hürden, die sich bei der Erstellung von Online-, Tablet- und Mobile-Varianten von Kundenzeitschriften in der Zusammenarbeit mit Ihren Kunden ergeben und wie stellen Sie bei Ihren Projekten einen effizienten Work-flow sicher?
Letztlich kann man nicht sagen, dass Printmedien „ergänzt" werden. Im Grunde geht es um eine ganz neue Ausrichtung: Man definiert zuerst die Inhalte und Ziele, die man an die Kunden kommunizieren möchte und sucht dann genau die Medienwege, mittels derer man an die Menschen herankommt. Das kann sowohl per Print wie auch online sein, Teile der Inhalte werden in Apps gepackt, andere via Social Media angeteasert. Insofern handelt es sich um eine kommunikative Gesamtlösung, die redaktionelle Stories so an die Leute bringt, dass diese die Inhalte wahrnehmen, aufnehmen - und annehmen. Insofern sind wir bei JI schon fast wie ein Newscenter organisiert, um unsere Storys und Medien multidimensional spannend umzusetzen.

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Mehr zum Thema lesen Sie im Report der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 46/2012 vom 15. November.

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Beim Bespielen von Social-Media-Kanälen wird die Eignung externer CP-Dienstleister etwa für schnelles (Re)Agieren im Sinne des Unternehmens vielfach hinterfragt. Welche Lösungswege können Sie Ihren Kunden anbieten?
Social Media ist fester Bestandteil der Kommunikationskonzepte - die Vielzahl der Themen in den CP-Medien bieten sich dafür an. In Facebook und Co kann man die Links setzen, die Themen gezielt anteasern - und dann von dort direkt auf die Onlinemedien hinlenken. Dieser Teil ist Wesensbestandteil von CP, weil es letztendlich eine wichtige Verlängerung der Medien in Hinsicht Dialogfähigkeit und Kunden-Rückkoppelung ist - einer unserer JI-Hauptaugenmerke. Natürlich bedarf es einer internen Gesamtbetreuung für die quasi offiziellen Unternehmensaussagen - die sind als Dienstleistung eher schlecht von extern zu kommunizieren.

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