United Internet: Quotenstreit bei Hauptversammlung

Donnerstag, 31. Mai 2012
Männer unter sich: UI-Vorstände Ralph Dommermuth (li.) und Norbert Lang
Männer unter sich: UI-Vorstände Ralph Dommermuth (li.) und Norbert Lang

Eigentlich waren die Aktionäre von United Internet dem Mittagsbuffet schon so nahe auf der heutigen Hauptversammlung. Doch dann trat Noreen von Schwanenflug vom Deutschen Juristinnenbund an das Rednerpult und eine langwierige Diskussion über Frauenquote und Fachkräftemangel begann - ganz zum Unmut der meist älteren Aktionäre. "Jetzt reicht's mir", murmelte einer vor sich hin, bevor er - wie viele andere auch - den Saal in der Alten Oper in Frankfurt verließ. Denn Frau von Schwanenflug hatte einige Fragen, an Aufsichtsrat und Vorstand: Wie hoch ist die Frauenquote im Unternehmen, wie gut stehen die Chancen für Frauen bei der 2015 anstehenden Aufsichtsratswahl, und warum bestehen sowohl Aufsichtsrat (drei Personen) als auch Vorstand (zwei Personen) nur aus Männern?

 
Der Konzern setzte 2011 über 2 Milliarden Euro um
Der Konzern setzte 2011 über 2 Milliarden Euro um
Für Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Dobitsch eine klare Sache: Vorstandsposten würden weder in der Vergangenheit noch künftig geschlechtsspezifisch ausgesucht, sondern nach "Kompetenz und Fachausrichtung". Außerdem gebe es "momentan keinen Vorstand zu besetzen". Die aktuellen Vorstandsmitglieder würden ihre Arbeit "zur vollsten Zufriedenheit des Aufsichtsrats" und ebenfalls zur Zufriedenheit der meisten Aktionäre verrichten - eine Aussage, bei der eben jene anwesenden Aktionäre in Spontanapplaus ausbrachen.

Und noch einen Rat gab er der quotenfreudigen Frau von Schwanenflug, die vorher betont hatte, drei Kinder zu haben, auf den Weg: "Wenn Sie Töchter haben, sorgen Sie dafür, dass sie ein technisches Fach studieren", so Dobitsch. Denn der Fachkräftemangel sei - unabhängig vom Geschlecht - gerade das größte Problem der Branche. Dem stimmte auch Vorstand Norbert Lang zu: Der Frauenanteil bei United Internet sei 2011 erstmals zurückgegangen - auf 32,2 Prozent gegenüber 35,5 Prozent im Jahr 2010. Der Grund: Es bewerben sich nicht genügend Frauen. "Wenn ich 370 Stellen ausgeschrieben habe und dafür 370 Frauen kriegen könnte, würde ich auch 370 Frauen einstellen", so Lang.

Bevor die Quotendiskussion aufkam, stellte der Vorstand die Zahlen für 2011 und den Ausblick für das laufende Jahr vor. Danach stieg der Umsatz von United Internet 2011 um 9,8 Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Euro, das Konzernergebnis lag bei 162,3 Millionen Euro (2010: 127,7 Millionen). Der Bereich Access, in dem der Zugang zum Internet gebündelt ist, war das mobile Internet Wachstumstreiber, während klassische DSL-Anschlüsse zurückgingen. Der Bereich Applications, zu dem Mailingangebote und Homepage-Entwicklung gehören, hat sich laut dem Vorstandsvorsitzendem Ralph Dommermuth "ebenfalls gut entwickelt", das Hauptwachstum kommt hier aus dem Ausland.

Die Internationalisierung soll auch künftig weiter vorangetrieben werden. Weitere Investitionsschwerpunkte: Das Großprojekt De-Mail, in das dieses Jahr 16 Millionen Euro fließen sollen, sowie die Do-it-yourself-Homepages, die 2012 auch beworben werden sollen und für die United Internet dieses Jahr 70 bis 108 Millionen Euro in die Hand nimmt.  2011 hatte der Konzern 61,1 Millionen Euro investiert, hauptsächlich für die Expansion nach Polen und Kanada, Business Apps, De-Mail und die DIY-Homepages. sw
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