Und sie steigen doch: Google dementiert Reuters-Bericht über sinkende Werbeeinnahmen

Freitag, 13. April 2012
Google wächst weiter - auch bei den Werbeeinnahmen
Google wächst weiter - auch bei den Werbeeinnahmen

Das Presseecho auf die jüngste Google-Bilanz fiel unter dem Strich ganz ordentlich aus, aber streng genommen nicht gut genug. Grund ist eine Falschmeldung der Nachrichtenagentur Reuters, die das Bild deutlich eintrübte und sich in Windeseile auf Qualitätsmedien wie Faz.net und Sueddeutsche.de verbreitete. Reuters hatte vermeldet, dass Google ausgerechnet in seinem Kerngeschäft - den Werbeeinnahmen - das zweite Quartal in Folge einen empfindlichen Rückgang hinnehmen musste, "diesmal um besorgniserregende zwölf Prozent", so der ursprüngliche Reuters-Bericht. HORIZONT.NET konnte diesen Rückgang in der Bilanz nirgends entdecken - aus gutem Grund, wie sich jetzt herausstellt.  In der Bilanz lässt sich schwarz auf weiß nachlesen, dass der Werbemotor bei Google derzeit alles andere als ins Stottern gerät. So summieren sich die Werbeeinnahmen von Google im 1. Quartal 2012 auf satte 10,225 Milliarden Dollar. Das ist sowohl gegenüber dem Vorjahresquartal (8,306 Milliarden Dollar) als auch gegenüber dem letzten Quartal des Jahres 2011 (10,174 Milliarden Dollar) eine Steigerung - und kein Rückgang. Auch die einzelnen Segmente - die Google-Websites und die Websites des Google-Network - können ihre Werbeeinnahmen jeweils deutlich steigern.

Google-Gründer Larry Page
Google-Gründer Larry Page
Verursacht wurde der fehlerhafte Bericht offenbar durch eine Verwechslung. "Der Rückgang bezieht sich auf die Klickpreise, aber nicht auf unsere Werbeerlöse", erläutert Google-Sprecher Klaas Flechsig gegenüber HORIZONT.NET den kleinen, aber entscheidenden Unterschied. Laut Flechsig war der Preis, den Werbekunden pro Klick zahlen müssen, im 1. Quartal 2012 tatsächlich 12 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Gegenüber dem 4. Quartal 2011 sind die Klickpreise um 6 Prozent gesunken. Dieser Rückgang bei den Werbepreisen dürfte bei Google sicher ebenfalls für wenig Begeisterung sorgen. "Wichtig ist aber, dass die Werbeerlöse keinesfalls sinken, sondern steigen", so Flechsig.

Nur so lässt sich auch die insgesamt glänzende Quartalsbilanz von Google erklären: Der Web-Riese erzielte im 1. Quartal 2012 einen Nettogewinn in Höhe von 2,89 Milliarden Dollar - gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das eine deutliche Steigerung um 60 Prozent. Auch der Umsatz kletterte um beeindruckende 24 Prozent auf 10,65 Milliarden Dollar.

Auch für Aktionäre und Analysten hatte Google eine Überraschung parat: Die beiden Gründer Larry Page und Sergey Brin, die derzeit fast 57 Prozent der Stimmrechte im Unternehmen halten, wollen sich mit einem Aktiensplit auch künftig die Kontrolle sichern. Der Split im Verhältnis von 2:1 sieht die Ausgabe einer neuen "C-Klasse"-Aktie für jeden existierenden Google-Anteilschein vor. Die neue Aktie soll zwar auch an der Börse gehandelt werden, allerdings ohne Stimmrecht. Mit dem Papier lassen sich also Gewinne erzielen, an den Stimmrechtverhältnissen ändert sich allerdings nichts.

"Wir haben eine Struktur, die verhindert, dass Außenstehende unsere Entscheidungen übermäßig beeinflussen", schreiben Page und Brin in einem Brief an ihre Aktionäre. Langfristige Investitionen in Produkte wie Chrome und Youtube seien nur durch ein hohes Maß an Unabhängigkeit möglich gewesen. "Wir möchten gewährleisten, dass unsere Unternehmensstruktur unsere Anstrengungen, die Welt zu verbessern, stärkt." mas
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