"Ummauerte Gärten": Google-Gründer Sergey Brin kritisiert Facebook und Apple

Montag, 16. April 2012
Google überzieht die Konkurrenz mit Kritik - steht selbst aber auch in der Schusslinie
Google überzieht die Konkurrenz mit Kritik - steht selbst aber auch in der Schusslinie
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Facebook, Apple, Google, Sergey Brin, Larry Page, Guardian Media Group, Garten



Hätte es Facebook und Apple schon 1998 gegeben, wäre Google womöglich nie entwickelt worden. Dieser Meinung ist jedenfalls Sergey Brin, der die Suchmaschine gemeinsam mit Larry Page ins Leben rief. In einem Interview mit dem britischen "Guardian" zählt Brin die beiden Konkurrenten zu jenen Kräften, die sich gegen ein freies Internet formiert hätten. Die Prinzipien der Offenheit und des freien Zugangs, welche die Entwicklung des Internets stets begleitet hätten, seien so bedroht wie noch nie, sagte Brin der Zeitung: "Ich bin besorgter als in der Vergangenheit, es ist gruselig." Neben Staaten wie China, Saudi-Arabien oder Iran bedrohten auch Technologie-Konzerne wie Facebook und Apple die Netzfreiheit. Beide ähnelten "ummauerten Gärten", weil sie streng kontrollierten, welche Software auf ihren Plattformen veröffentlicht werden darf. Zudem seien alle in Apps gespeicherten Informationen über Webcrawler nicht auffindbar. Dadurch gebe es "viel zu verlieren", so Brin.

Die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page
Die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page
Brins Vorwurf an Facebook lautet konkret, dass das soziale Netzwerk den Internetnutzern seine Regeln aufzwinge, die "wirklich sehr streng" seien. Zudem unterbinde Facebook den einfachen Datentransfer seiner Nutzer auf andere Dienste, habe seinerseits aber jahrelang Daten von Googles-Mail-Programm Gmail abgezapft. In einem von Facebook dominierten Web hätten er und Page Google jedenfalls nicht gründen können, klagt Brin.

Im Netz wird Brins Interview gemischt aufgenommen. Die grundsätzliche Kritik an Diktaturen sei zwar richtig, aber mit seiner Breitseite gegen Facebook und Apple wolle Brin nur davon ablenken, wie stark die Konkurrenz geworden sei, heißt es etwa in den Kommentarspalten des Branchendienstes Mashable.com. Ohne die Daten von Facebook und Apple könne Google weniger Werbung ausliefern, äußert ein User.

Dass Google selbst längst kein Kind von Traurigkeit mehr ist, geben auch hiesige Medien zu bedenken: Auch Google verdiene sein Geld mittlerweile damit, Wissen zu monopolisieren, heißt es in einem Kommentar bei "Spiegel Online", der dem Netzgiganten deswegen Scheinheiligkeit vorwirft. ire
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