Umfrage: Warum Video-Content für regionale Verlage an Bedeutung gewinnt

Donnerstag, 26. August 2010
Video-Content gehört für die meisten Zeitungen mittlerweile zum Standard
Video-Content gehört für die meisten Zeitungen mittlerweile zum Standard

Online-Videos gehören bei den Internet-Portalen von Tageszeitungen mittlerweile zum Standard. Der Bundesverband deutscher Zeitungsverleger (BDZV) zählt 498 Zeitungsverlage auf regionaler und nationaler Ebene, die Bewegtbildangebote aufgebaut haben. HORIZONT hat im Vorfeld der Dmexco Verantwortliche in regionalen Medienhäusern befragt, welche Resonanz das Angebot erhält und wie sich Video in der regionalen Vermarktung nutzen lässt. Dabei zeigt sich ein Trend zu selbstproduziertem lokalem Content. Die Kooperation mit ARD-Sendeanstalten ist dabei allerdings die Ausnahme, obwohl die öffentlich-rechtlichen TV-Sender ihre Beiträge als Zweitverwertung kostengünstig anbieten. Bei den Werbekunden dominieren nationale Kampagnen. Regionale Bewegtbildwerbung scheitert derzeit noch an den hohen Produktionskosten.

Report Regionale Medien

Mehr zum Thema Video-Content Strategien regionaler Medienhäuser lesen Sie hier.

Den kompletten Report zum Thema "TV 2011" können Sie hier im PDF-Format für 5,80 Euro (zuzüglich MwST) bestellen. 

Lesen Sie auf den folgenden Seiten die Antworten von Manfred Neufang (Badische Zeitung), Ulrich Gathmann (Nordwest Zeitung), Holger Koch (Fuldaer Zeitung) und Paul Wehberg (Neue Osnabrücker Zeitung).

Mehr zum Thema finden Sie im Report Regionale Medien, HORIZONT Ausgabe 34/2010

Manfred Neufang, Verlagsleitung Online der Badischen Zeitung

Manfred Neufang
Manfred Neufang
Welche Rolle spielt Video-Content für Ihren Verlagsauftritt im Internet?
Bewegtbild gehört zum Online-Auftritt regionaler Medien dazu. Die Frage, ob das richtig ist, wird nicht mehr ernsthaft gestellt. Um multimediale Inhalte liefern zu können, ist für Zeitungen aber ein crossmedialer Ansatz sinnvoll: Die einzelnen Medienbereiche müssen in der Berichterstattung enger zusammenarbeiten und sich stärker verzahnen. Videomaterial wird dabei immer wichtiger, denn Bandbreiten, Endgeräte und die Erwartungshaltung der User sind da. Und mit der steigenden Zahl mobiler Endgeräte wird der Bedarf weiter zunehmen.

Welche Auswirkungen haben die Videos auf die Vermarktung?
Bislang setzen Verlage bei der Vermarktung der Videos vor allem auf nationale Werbekunden. Bewegtbilder sorgen für eine längere Verweildauer auf der Plattform. Dies steigert wiederum die Attraktivität für Werbungtreibende. Pre-Rolls regionaler Kunden sind dagegen im Moment angesichts hoher Produktionskosten unwahrscheinlich. Bei uns spielt vielmehr das Sponsoring im Umfeld der Videoangebote im Netz eine Rolle.

Welche Marschrichtung werden Sie im Hinblick auf Bewegtbild eingeschlagen?
Es ist ein Thema unter vielen. Andere Verlage setzen derzeit auf eigenständige Plattformen für Bewegtbilder. Ich glaube, die Marschrichtung ist eine andere: Wir müssen unseren Online-Auftritt stärker vertikalisieren. Etwa im Sinne von Special-Interest-Plattformen für regionale Wirtschaftsthemen oder Veranstaltungen. Das ermöglicht, eine begrenzte Zielgruppe differenzierter anzusprechen. Im regionalen Bereich ist es wichtig, die Loyalität der User durch einen spezifischeren Service zu gewinnen. 

Ulrich Gathmann, Geschäftsführung Nordwest Zeitung Verlagsgesellschaft

Ulrich Gathmann
Ulrich Gathmann
Welche Rolle spielt Video-Content für Ihren Verlagsauftritt im Internet?
Bereits seit geraumer Zeit ist klar, dass der Verlag eine Kompetenz im Bewegtbild aufbauen muss. Das zeigt sich auch bei unseren täglichen Arbeit: Wenn wir auf Veranstaltungen und dergleichen drehen, werden wir vermehrt wahrgenommen und die Menschen gehen anschließend ins Netz und verfolgen das. Die NWZ positioniert sich klar als multimediales Unternehmen. Dabei wird man nicht weit kommen, wenn man die Zeitung mal eben ins Internet transferiert. Der regionale Nachrichtenkonsum der Menschen hat neue Dimensionen angenommen. Sie schauen viel häufiger online, was es neues gibt. Das Print-Produkt alleine ist vielen zu wenig.

Welche Auswirkungen haben die Videos auf die Vermarktung?
Regionale Video-Inhalte haben eben nicht alle, sondern nur regionale Medien. Diese relative Alleinstellung müssen wir noch effektiver vermarkten. Im Video-Bereich sind noch sehr gute TKP zu erwirtschaften, weil es hier noch weniger Angebot als Nachfrage gibt.

Welche Marschrichtung werden Sie im Hinblick auf Bewegtbild eingeschlagen?
Unsere Zuschauer erwarten ein professionelles Bewegtbild-Angebot von der NWZ. Deshalb wollen wir in Zukunft unser Augenmerk noch wesentlich mehr darauf lenken. Unser Ziel ist es, unsere Position als stärkster Informations- und Werbeträger der Region auch im Internet zu behaupten. Angesichts der anstehenden Reform des Niedersächsischen Mediengesetzes werden wir uns voraussichtlich an einem Veranstalter für regionales Fernsehen mit bis zu 49,9 Prozent beteiligen. Wir haben das entsprechende Know-How und auch gute Partner, mit denen wir uns eine gemeinsame TV-Veranstaltung sehr gut vorstellen können.

Holger Koch, Leiter Internetredaktion der Fuldaer Zeitung

Holger Koch
Holger Koch
Welche Rolle spielt Video-Content für Ihren Verlagsauftritt im Internet?
Regionalen Content produzieren wir seit drei Monaten mit einem eigenen Videojournalisten. ZoomIn liefert uns die überregionalen Inhalte. Es ist ein Zusatzangebot für unsere User und soll das textliche Angebot visuell anreichern.

Welche Auswirkungen haben die Videos auf die Vermarktung?
Sie steigern die Attraktivität unseres Onlineauftrittes enorm. Jedoch ist die Eigenproduktion bislang ein Verlustgeschäft. Das wollen wir angehen: Vor allem bei unseren regionalen Kunden wollen wir uns in Sachen Pre-Roll-Vermarktung attraktiv machen.

Welche Marschrichtung werden Sie im Hinblick auf Bewegtbild eingeschlagen?
Wir setzen verstärkt darauf, denn bei Video-Content geht der Trend nach oben. Deshalb wollen wir unsere Videorubrik prominenter auf der Online-Plattform platzieren. Mit einer ausgefeilten Selektionsfunktion soll man sämtliche Eigenproduktionen in einem Archiv erreichen können. Denn bislang können die Klickraten der Videos lange nicht mit anderen Rubriken wie Sport mithalten. Das wollen wir ändern.

Paul Wehberg, Leiter E-Medien Neue OZ und Geschäftsführer OS1.TV

Paul Wehberg
Paul Wehberg
Welche Rolle spielt Video-Content für Ihren Verlagsauftritt im Internet?
Die multimediale Präsentation von Nachrichten ist für unsere Zielgruppe eine Selbstverständlichkeit und damit auch für uns. Natürlich sind dabei auch überregionale Videoinhalte nicht unbedeutend, aber entscheidend ist für uns die Möglichkeit, unsere lokale Informationsstärke mehrkanalig auszuspielen. Über unseren eigenen Web-TV-Sender OS1.TV produzieren wir hochwertige Bewegtbildangebote aus der Region und für die Region.

Welche Auswirkungen haben die Videos auf die Vermarktung?
Das steigert die Attraktivität unseres Angebots im Netz und wirkt sich dadurch auch auf Reichweiten aus – mit positiven Effekten für die Vermarktung. Darüber hinaus bieten wir im Umfeld des Senders eigene Werbeformate an, die unser Produktportfolio in der Vermarktung vor Ort wirkungsvoll ergänzen.

Welche Marschrichtung werden Sie im Hinblick auf Bewegtbild eingeschlagen?
Für uns ist Video-Content ganz klar ein Bereich mit Wachstumspotenzial. Bereits bei der Gründung unseres Web-TV-Angebotes im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam mit unseren Partnern Stadtwerke Osnabrück und dem regionalen Kommunikationsdienstleister Osnatel den Eintritt ins Kabel-TV als klare Zielsetzung formuliert. Unsere Stärke ist die hochwertige lokale und regionale Information, und das möchten wir perspektivisch auf allen relevanten Kanälen ausspielen.

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