Ubercloud-Diskussion: Mythen des digitalen Kreativgeschäfts

Donnerstag, 13. September 2012
Flo Heiss, Executive Creative Director der Londoner Digitalagentur Dare
Flo Heiss, Executive Creative Director der Londoner Digitalagentur Dare

"Setting new standards" war das Thema der Diskussionsrunde, die am zweiten Tag der Dmexco auf dem Programm stand. Das vom ADC New York unterstützte Event war eine der wenigen Ubercloud-Veranstaltungen der Digitalmesse 2012. Die Organisatoren hatten die Debatten und Reden rund um das Thema digitale Kreation in das Dmexco-Programm integriert. Im Vorjahr füllten sie noch einen kompletten Kongresstag. Neue Standards kristallisierten sich bei diesem Programmpunkt allerdings nicht gerade heraus. Wohl aber wurden unter der Leitung von Ignacio Oreamuno, Gründer der Agentur Ihaveanidea und Executive Director des ADC New York, fünf Thesen diskutiert, die die Dimensionen des heutigen und künftigen digitalen Kreativgeschäfts aufzeigen. Bei den Diskussionen wurde klar: Wenn es um Geld, können nicht nur Vermarkter diskutieren.

Gustav Martner, Executive Creative Director von Crispin Porter & Bogusky
Gustav Martner, Executive Creative Director von Crispin Porter & Bogusky
Eingeladen hatten die Dmexco-Organisatoren in die Congress Hall der Kölnmesse: Gustav Martner, Executive Creative Director von Crispin Porter & Bogusky (CPB), Flo Heiss, Executive Creative Director der Londoner Digitalagentur Dare, Darren Richardson, Regional Executive Creative Director von BBDO Proximity Germany sowie Rishad Tobaccowala, Chief Strategy & Innovation Officer von Vivaki. Eine der diskutierten Mythen: Agenturen werden einen bald einen beträchtlichen Anteil ihres Einkommens mit dem Entwickeln von eigenen Apps verdienen. Also Apps, die nicht für einen bestimmten Kunden realisiert werden. Als Beispiel stellte der Brasilianer Oreamuno die Foto-Anwendung „Action Shot“ der kanadischen Agentur Cloud Raker vor. Diese mauserte sich im vergangenen Jahr innerhalb weniger Wochen zu einer der beliebtesten Fotografie-Anwendungen für Smartphones. Bedeutend für Agenturen? Ja! Da waren sich die Diskutanten weitgehend einig. Mit solchen Arbeiten würden sich Digitalagenturen interessant für Kunden machen, da sie das weite Spektrum ihres Könnens demonstrieren. Allerdings: „Sie bringen uns direkt aber kein Geld ein“, so Heiss und spricht indirekt knappe Budgets an.

Ebenfalls heiss diskutiert wurde die These „Technologie entwickelt sich derart schnell weiter, dass es für Agenturen legitim ist, alte Ideen und Kampagnen wieder aufzugreifen, um sie auf neue Art und Weise wieder verkaufen zu können.“ Es gehe nicht darum, wer eine Idee zuerst hat. Es komme hauptsächlich auf die Umsetzung an. Wenn sie anders ist, andere Plattformen dabei verwendet werden, emotionaler sind und eine tiefere Bindung zu Konsumenten aufbaut - stärker als die Ursprungsidee - dann sei es doch durchaus in Ordnung, alte Ideen wieder aus der Versenkung zu holen. Unterstützung bekommt Heiss von CPB-Kreativchef Martner: „Agenturen sollten größere Skrupel haben, uneffektive und unkreative Kampagnen zu realisieren, als Ideen wieder aufzuwärmen.“ jm
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