USA-Heimkehrer Peter Würtenberger: Zurück aus dem Big-Brother-Haus

Donnerstag, 13. Juni 2013
Peter Würtenberger berichtete in Wiesbaden von seinen USA-Erfahrungen (Bild: Thomas Fedra)
Peter Würtenberger berichtete in Wiesbaden von seinen USA-Erfahrungen (Bild: Thomas Fedra)


Er trägt keine Krawatte mehr, und so manche Formulierung scheint ihm auf Englisch leichter über die Lippen zu kommen als in der Muttersprache: Der gut zwölfmonatige Aufenthalt im Silicon Valley hat bei Springers Vermarktungschef Peter Würtenberger deutliche Spuren hinterlassen, wie man auf dem Zeitungsgipfel in Wiesbaden beobachten konnte. In den USA ist alles ein wenig größer. Das berichten deutsche Touristen gern nach ihrer Rückkehr in die Heimat. Auch das Springer-Trio aus Bild -Chefredakteur Kai Diekmann, Idealo-Gründer Martin Sinner und eben Würtenberger scheint diese Erfahrung gemacht zu haben. "Hier kommt man sich vor wie ein Sowjet-Bürger, der das erste Mal in ein westliches Kaufhaus kommt und überhaupt nicht weiß, wo er anfangen soll", erinnert sich Würtenberger auf dem Podium in Wiesbaden an einen Satz von Martin Sinner.

Angefangen habe man schließlich bei der Top 100 des Silicon Valley, die der Blogger Henry Blodget in seinem Business Insider jedes Jahr auflistet. "Wir haben uns gesagt: Wenn wir es nicht schaffen, wenigstens die Hälfte von dieser Liste zu treffen, haben wir einen Fehler gemacht", berichtet Würtenberger. 60 der Namen auf Blodgets Liste habe man besucht. "Der Rest, das wurde uns dann klar, hat kein Interesse an uns. Bild heißt ja auf Englisch Picture, damit kann dort nicht jeder etwas anfangen." Grundsätzlich jedoch sei die Bereitschaft, mit anderen über Innovationen zu reden und gemeinsam Dinge aufzubauen, sehr groß gewesen. Da ist er wieder, dieser amerikanische Spirit, von dem auch Kai Diekmann so begeistert war.

Nun ist Würtenberger wieder im deutschen Arbeitsalltag angekommen, übrigens als erstes Mitglied der Troika, die im vergangenen Jahr in die USA zog. "Das war der Big Brother Effekt: Ich war der erste, der das Haus verlassen musste", flachst Würtenberger. Bekannterweise sind es bei der TV-Sendung die Verlierer, die als erstes gehen müssen. Springers Vermarktungschef hat jedoch gewonnen, und zwar jede Menge Einsichten: " If you don t eat your own lunch, others will do it", lautet eine davon. Heißt konkret: Einen stärkeren Akzent auf neue Technologien legen, Ausschau nach vielversprechenden Startups halten und über neue Formen der Vermarktung nachdenken.

Exklusiv für Abonnenten

Exklusiv für Abonnenten
Ein ausführliches Interview mit Peter Würtenberger lesen Sie in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 24/2013, die am heutigen Donnerstag erschienen ist.

HORIZONT abonnieren
HORIZONT E-Paper abonnieren
HORIZONT for iPad beziehen


Heißt das nun, dass nach dem großen USA-Experiment bei Springer kein Stein auf dem anderen bleibt? Nein, sagt Würtenberger: "Ich möchte nicht von einem auf den anderen Tag alles ändern, das bringt nichts." Stattdessen wolle man in den kommenden 12 bis 18 Monaten kontinuierlich kulturelle und technische Neuerungen im Konzern anbringen. Und dann folgt wieder einer dieser Sätze, die man bei Springer neuerdings wie ein Mantra vor sich her trägt: "The only way to do it, is to do it." ire
Meist gelesen
stats