(US-)Zeitungskrise: „Internet keine ideale Werbeplattform der Zeitungen“

Mittwoch, 27. August 2008
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Ein Minus von 18 Prozent beim Juli-Anzeigenumsatz, und ein jämmerliches Plus von gerade einmal einem Prozent bei der Online-Werbung - der Juli 2008 wird für die „New York Times" als  Katastrophenmonat - "New York Times Shocker"  schreibt "AdAge" - in die Unternehmensgeschichte eingehen. An die Hiobsbotschaften über US-Zeitungen hat sich der Leser hierzulande mittlerweile fast gewöhnt. Die Krisensymptome beschreibt der amerikanische Medienexperte Thomas Rosenstiel in einem bemerkenswerten Interview in „SZ Online". Der Gründer und Direktor des „Project for Excellence in Journalism" hat beobachtet, dass die dramatischen Auswirkungen des Internet „buchstäblich in diesem Moment" abzeichnen: „Das Internet ist keine ideale Werbeplattform für Zeitungen. Selbst wenn die Leser ihrer Nachrichtenmarke treu bleiben, hat die Abwanderung ins Internet fatale Folgen für die Einnahmen der Verlage. Etwas weniger drastisch ist es beim Fernsehen."

Wie die Geschäftsmodelle der Zeitungen aussehen könnten, ist für Rosenstiel nach wie vor unklar, „denn Print schrumpft stetig, und Online wächst ökonomisch nicht mit seinem Publikum mit." Zumindest für die überregionalen US-Blätter hat Rosenstiel Trost parat: „New York Times, Wall Street Journal und ein paar weitere überregionale Publikationen werden meiner Meinung nach tatsächlich wachsen, weil es in Zukunft leichter sein wird, eine nationale Nachrichtenquelle zu sein."

Und den Verlegern gibt er als Anregung auf den Weg: „Der einzige Vorteil der gedruckten Ausgabe ist, dass damit mehr Geld zu verdienen ist. Aber wenn Verleger das Geld auch online verdienen könnten, ist das Potential des Online-Journalismus dem des Print-Journalismus haushoch überlegen. Print-Journalismus ist zweidimensional, er nutzt Worte und Bilder sowie Grafiken. Online-Journalismus hat viele Dimensionen: Bild, Ton, Bewegtbild, Interaktivität, Daten, alles Mögliche eben."vs
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