UIM-Vorstand Ehrlich: Trading wird für gesamte Medienbranche zur Nagelprobe

Mittwoch, 04. Januar 2012
UIM-Manager Matthias Ehrlich
UIM-Manager Matthias Ehrlich

Die Trading-Debatte wird die Kommunikationsbranche wohl weiterhin in Atem halten. Matthias Ehrlich, Vorstand bei United Internet Media, sagt in der HORIZONT.NET-Umfrage für das Jahr 2012 voraus, dass der von den großen Mediaagenturen praktizierte und umstrittene Weiterverkauf günstig erworbener Werbeplätze die Medienhäuser und Vermarkter vor immense Herausforderungen stellen wird. Aus Sicht von Ehrlich wird das Thema Trading nicht nur für die Onliner, "sondern für die gesamte Branche zur Nagelprobe". Ehrlich schätzt die Lage als durchaus ernst ein und sieht dringenden Handlungsbedarf: "Wir alle werden uns die Frage stellen müssen, ob und inwieweit wir verhindern wollen und können, dass ein transparentes Geschäft mit Medialeistung bei klug austarierten Rollen in ein intransparentes Verticken von Bulk-Media abgleitet, bei dem Wertschöpfung und Leistungen nicht mehr zuzurechnen sind, sondern allein Marktmacht und trickreiches Dealen künftig unseren Berufsalltag bestimmt", erklärt der Vorstand von United Internet Media.

Vor allem von den Vermarktern fordert Ehrlich, Charakter zu zeigen. Aber auch die Werbungtreibenden nimmt er in die Pflicht. Deren Verantwortung sei es, Entwicklungen, die nicht im Interesse des Marktes seien, entgegenzuwirken.

Maggi-Chef Andreas Peters
Maggi-Chef Andreas Peters
Auch andere befragte Top-Manager sehen die Trading-Modelle der Mediaagenturen skeptisch. "Beiersdorf steht Trading Modellen kritisch gegenüber. Persönlich glaube ich jedoch, dass ein Ausbau des Trading-Modells nicht ganz zu verhindern sein wird", sagt etwa Ulrike Vollmöller, Marketing Director von Beiersdorf. Auch Andreas Peters, Geschäftsführer bei Maggi, hat dem Trading für sein Unternehmen eine klare Absage erteilt. "Wir wollen, dass unsere Mediaagentur für uns ausschließlich als neutraler Berater agiert", so  Peters, der hofft, dass sich Trading nicht weiter auf die klassischen Medien ausbreitet. "Dies hätte eine Verschiebung des aktuellen Marktmodells zur Folge, worin wir keine Vorteile für uns sehen." Ähnlich sieht das Florian Ruckert. Der RMS-Chef hält Trading - egal in welchem Umfang es stattfindet - "für extrem riskant und kontraproduktiv". "Es verschiebt die Balance zwischen Werbungtreibenden, Agenturen und Medien in einem ungesunden Maße", glaubt Ruckert.

Freilich gibt es auch Befürworter. So kann Gregor Gründgens, Marketingchef bei Vodafone, Trading durchaus etwas abgewinnen. Wenn sich das Modell am Markt durchsetzen könne, habe Trading durchaus eine Berechtigung, findet Gründgens. Daher hält er eine Ausweitung auf klassische Medien auch grundsätzlich für denkbar. mas
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