Trotz guter Zahlen: Wirtschaftsentwicklung verunsichert Bertelsmann

Mittwoch, 31. August 2011
Bertelsmann ist für 2011 "verhalten optimistisch"
Bertelsmann ist für 2011 "verhalten optimistisch"

Europas größter Medienkonzern Bertelsmann legt für das 1. Halbjahr 2011 gute Zahlen vor, ist für das Gesamtjahr jedoch nur "verhaltend optimistisch". "Die Unsicherheiten im wirtschaftlichen Umfeld haben zugenommen", erläutert Finanzvorstand Thomas Rabe. Trotzdem rechnet Bertelsmann für das Jahr 2011 mit einem "moderaten Anstieg" des Umsatzes sowie einem leicht über Vorjahr liegenden Konzernergebnis. Das operative Ergebnis wird voraussichtlich leicht unter dem Vorjahr bleiben. 2010 erzielte Bertelsmann einen Umsatz von 15,8 Milliarden Euro, einen Gewinn von 656 Millionen Euro und ein Operating Ebit von 1,85 Millionen Euro.

Im 1. Halbjahr 2011 konnte Bertelsmann bereits bei allen relevanten Größen zulegen: Der Konzernumsatz aus fortgeführten Aktivitäten ist um 1,9 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro gestiegen. Das organische Wachstum ohne Portfolio- und Wechselkurseffekte lag bei 2,4 Prozent. Das Operating Ebit lag mit 737 Millionen Euro jedoch leicht unter dem Vorjahreswert von 754 Millionen Euro. Das Konzernergebnis ist um 23 Millionen Euro auf 269 Millionen Euro gestiegen. Zu diesem höheren Gewinn hat vor allem das Inhaltegeschäft beigetragen.

Finanzvorstand Rabe ist für 2011 verhaltend optimistisch
Finanzvorstand Rabe ist für 2011 verhaltend optimistisch
Sowohl das wichtigste Standbein, die RTL Group, als auch die Buchverlagssparte Random House haben zum guten Konzernergebnis beigetragen. RTL hat bereits vergangene Woche die Halbjahresbilanz vorgelegt. Zwar legten Umsatz, Operating Ebit und Periodenergebnis bei Europas größtem TV-Unternehmen zu. Während die Werbemärkte in Frankreich, den Niederlanden und Belgien den Umsatz steigern konnten, hat der wichtige deutsche Markt jedoch in dem Zeitraum stagniert.

Bei der - nach dem Wegfall der Direct Group - nunmehr kleinsten Sparte Random House, haben sich insbesondere das US-Geschäft und auch den Digitalaktivitäten positiv entwickelt. In den USA erzielt der Verlag bereits 20 Prozent des Umsatzes im Digitalgeschäft. Random House bringt mittlerweile 27.000 E-Books heraus. Wechselkursbedingt ist der Umsatz mit 787 Millionen Euro trotzdem leicht rückläufig. Das Operating Ebit stieg jedoch auf 69 Millionen Euro.

Die deutsche Verlagssparte Gruner + Jahr konnte sowohl Anzeigen- als auch Vertriebserlöse steigern. Den Corporate Publishing Bereich hat das Unternehmen deutlich ausgebaut. Der Umsatz lag insgesamt bei 1,3 Milliarden Euro nach 1,2 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Das Operating Ebit war mit 125 Millionen Euro leicht rückläufig. Im Anzeigengeschäft konnte G+J nach eigenen Angaben Marktanteile hinzugewinnen.

Bei der zweitwichtigsten Bertelsmann-Konzernsparte Arvato zeigen die Zahlen ebenfalls nach oben. Der Umsatz stieg von 2,3 Milliarden Euro im 1. Halbjahr 2010 auf 2,4 Milliarden Euro, das  Operating Ebit kletterte um die Hälfte auf 99 Millionen Euro. Die Neuorganisation von Arvato, die CEO Rolf Buch seit Jahresbeginn vorangetrieben hat, ist mittlerweile abgeschlossen. "Im Zuge dieser Neuaufstsellung konnten große Kundenabschlüsse erzielt werden", heißt es in der Meldung zu den Halbjahreszahlen. Welche Kunden sich dahinter verbergen, teilt der Konzern nicht mit.

Der in den vergangenen Jahren wichtiger gewordene Bereich Corporate, bei dem mittlerweile auch das mit KKR betriebene Musikrechte-Joint-Venture BMG aufgehängt ist, die hauseigenen Investitionsfonds BDMI und BAI sowie die Reste der Direct Group, schreibt einen operativen Verlust von 67 Millionen Euro.

Bertelsmann-CEO Hartmut Ostrowski zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen des 1. Halbjahres: "Das gibt uns den Rückenwind, um unsere Wachstumsstrategie konsequent weiter voranzutreiben. Hier haben wir in den vergangenen Monaten bereits gute Fortschritte gemacht." So hat zum Beispiel die RTL Group in Kroatien, den Niederlanden und Indien investiert. Rückgebaut wird dagegen beim Online-Kiosk Pubbles. Wie HORIZONT.NET am Montag exklusiv berichtete, plant Bertelsmann 50 Prozent des Unternehmens an die Weltbild-Gruppe zu verkaufen. pap
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