"Traumfrau gesucht" im HORIZONT-Check: Fremdschämen in Osteuropa

Dienstag, 03. Januar 2012
Der arbeitslose Elvis versucht in der Disco sein Glück
Der arbeitslose Elvis versucht in der Disco sein Glück


RTL 2 wäre nicht RTL 2, wenn der Sender nicht ab und zu für einen kleinen Aufreger sorgen würde. Mit "Traumfrau gesucht" startete gestern mal wieder eine vermeintlich kontroverse Sendung bei dem Big-Brother-Sender. Einsame deutsche Männer begaben sich darin in Osteuropa auf die Suche nach der Frau ihrer Träume. Doch wer eine Art lüsternes Frauen-Shopping deutscher Männer befürchtete, hatte sich glücklicherweise getäuscht. "Traumfrau gesucht" bot gepflegte Langeweile und die Möglichkeit, sich mal wieder richtig schön fremdzuschämen - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Bereits im Vorfeld hatte es Kritik für das Format gehagelt - die Sendung grenze an Frauenhandel, schimpfte zum Beispiel die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes. Doch wer erwartet hatte, bei RTL 2 würden osteuropäische Frauen per Katalog verschachert, erlebte eine Überraschung. Die heiratswilligen Ostfrauen zeigten sich selbstbewusst und kritisch - fremdschämen musste man sich in erster Linie für seine tapsigen Landsleute, die dachten, als Männer aus dem reichen Westen im Osten leichtes Spiel zu haben.

Sensibelchen Walther zum Beispiel, der sich gern kleidet und geriert wie ein englischer Lord, eigentlich aber Reiseverkehrskaufmann aus Berlin ist, blitzte bei seinen ersten beiden Dates  erst mal ordentlich ab. Beim Treffen mit einer russischen Physiotherapeutin beichtete er ihr sogleich von seinem Rückenleiden, bekam dabei feuchte Augen, und brach sich damit erst mal selbst das Kreuz. Sie wolle doch kein Kind, das sie trösten müsse, sondern einen Mann, gab die selbstbewusste Russin Walther eine deutliche Abfuhr.

Nicht viel besser erging es dem arbeitslosen und übergewichtigen Fußballfan Elvis aus Braunschweig, der wie ein Elefant im Porzellanladen durch Odessa rollte und alles anbaggerte, was nicht bei Drei auf den Bäumen war. In Schlabbershorts und Turnschuhen markierte er in der Disko erst mal den Dicken und bestellte eine Runde Wodka Red Bull, die er anschließend allerdings alleine leeren musste. Bei den modebewussten Ukrainerinnen kam sein Hartz-4-Look nämlich alles andere als gut an.

Der einzig ernst zu nehmende Kandidat war Versicherungsmakler Manfred, der sich ein braves und häusliches Frauchen mit Modelmaßen wünscht. Mit seiner jungenhaften Schüchternheit konnte der Porsche-Fahrer seine Traumfrau aber auch nicht auf Anhieb überzeugen.

War die Sendung die Aufregung im Vorfeld also wert? Nein. Zwar schämt man sich auch bei "Traumfrau gesucht" in einer Tour fremd und fragt sich unentwegt, warum Menschen sich einer solchen öffentlichen Demütigung freiwillig aussetzen. Die Förderung von Frauenhandel kann man dem Format indes kaum vorwerfen. In einem Land, in dem rund 10 Millionen Männer fehlen, kann man es wohl keiner Frau verdenken, ihr Glück im Ausland zu suchen.

Beruhigend ist indes die Erkenntnis, dass es offenbar auch in Russland und der Ukraine nicht ausreicht, einfach nur mit dem deutschen Pass zu wedeln, und schon rennen heiratswillige Frauen selbst schwer vermittelbaren Männern die Türen ein. Vielmehr können einem die deutschen Männer leid tun, die mit hohen Erwartungen nach Osteuropa gereist sind und offenbar dachten, sie müssten nur mit dem Finger auf ihre Traumfrau zeigen und die Sache ist geritzt. Auch in Osteuropa gilt bei der Partnersuche Damenwahl. dh
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