"Transporter" im HORIZONT-Check: Luxuskarosse mit Kleinwagenmotor

Freitag, 12. Oktober 2012
Ein Mann und sein Auto: Chris Vance ist der "Transporter"
Ein Mann und sein Auto: Chris Vance ist der "Transporter"


Die neue Actionserie "The Transporter" ist mit einem Budget von 30 Millionen Euro die bislang teuerste internationale Koproduktion von RTL. Gemeinsam mit dem US-Kabelsender HBO und dem französischen Kanal M6 entstand eine Serie, die es optisch locker mit großen US-Produktionen aufnehmen kann. Handlung und Dialoge können mit den Hochglanzbildern aber leider zu keinem Zeitpunkt mithalten.
Schon die Eröffnungssequenz von "Transporter - Die Serie" macht klar wohin die Reise geht: Es vergehen kaum zwei Minuten, da liefert sich der Transporter (Chris Vance) schon eine wilde Verfolgungsjagd. Minutenlang jagen zwei Geländewagen die bullige Luxuslimousine des Transporter über Küstenstraßen und enge Gassen an der Cote d'Azur, bis der Held die Gegner kurzerhand in die Luft jagt und quasi im Vorbeifahren noch eine schöne Frau rettet. Alles im filmreifen Bildern perfekt in Szene gesetzt. Warum aber plötzlich schießwütige Gangster die Hauptfigur verfolgen, bleibt völlig offen – scheint aber auch ziemlich egal zu sein. Denn die Szene ist symptomatisch für die gesamte Serie: "The Transporter" bietet Hochglanz-Action auf Hollywood-Niveau – in die Drehbücher ist aber offensichtlich nicht annähernd so viel Geld und Mühe geflossen wie in die Produktion.

Die Handlung und die Dialoge bleiben leider genauso holzschnittartig wie die Charaktere. Hauptdarsteller Chris Vance darf selten mehr als ein paar markige Worte wie "Ändere nie den Deal" von sich geben. Schade eigentlich, denn der Australier erweist sich als ein würdiger Stellvertreter von Jason Statham, der den Transporter in den bislang drei Spielfilmen als stoischen Einzelkämpfer gab. Vance deutet in der Serie mit verschmitztem Lächeln eine humorvollere Seite seiner Figur an – die aber aufgrund der dürren Dialoge kaum zum Tragen kommt. Die übrigen Protagonisten wie Franks Partnerin Carla (Andrea Osvart) oder der aus der Filmreihe bekannte französische Inspector Tarconi (Francois Berleand) bleiben weitgehend farblos, die Nebenfiguren reine Abziehbilder.

Auch die Handlung scheint nur das Gerüst für ausgiebige Verfolgungsjagden, gekonnt choreographierte Kampfszenen und einige recht freizügig inszenierte Liebesszenen zu sein. Dazu kommen auch noch ärgerliche, weil völlig unnötige inhaltliche Schwächen: Die Strecke Südfrankreich – Berlin lässt sich auch mit einem üppig motorisierten Audi A8 und Bleifuß schlicht und einfach unmöglich in sieben Stunden bewältigen.

Von einer 30 Millionen Euro teuren Hochglanz-Produktion, hätte man inhaltlich schlicht und einfach mehr erwartet – zumal mit HBO ein Sender an "Transporter" beteiligt ist, der mit hervorragenden und preisgekrönten Produktionen wie "Die Sopranoes" oder "Game of Thrones" wie kaum ein zweiter für innovative TV-Serien steht. Es ist ein wenig, als würde man bei einem auf Hochglanz polierten Audi A8 die Motorhaube öffnen, um enttäuscht festzustellen, dass darin kein fetter Achtzylinder blubbert, sondern nur ein Kleinwagenmotor seinen Dienst tut. Außen hui, innen pfui. Der Transporter wäre not amused – der Zuschauer ist es auch nicht. Vielleicht sollte man im Fall von "Transporter – Die Serie" Franks Regel Nummer 3 beherzigen: "Öffne nie das Paket!" dh
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