Transaktionsmonitor: Verkäufe und Übernahmen gehen 2010 zurück

Donnerstag, 20. Januar 2011
Axel Bartholomäus
Axel Bartholomäus

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung hat sich auch der Markt für Übernahmen und Verkäufe bei Verlagen erholt. Im Jahr 2010 zählt die Unternehmensberatung Bartholomäus & Cie 205 abgeschlossene Deals. Das sind zwar acht weniger als im Vorjahr, aber die Wiederbelebung im 2. Halbjahr zeigt eine deutliche Trendwende für das Mergers & Akquisitions-Geschäft an. Bartholomäus legt den „Transaktionsmonitor Verlagswesen", der die Aktivitäten der deutschen Verlage auswertet, zum siebten Mal vor. Das Marktvolumen liegt dagegen spürbar unter dem Niveau von 2009. Auf lediglich 2,5 Milliarden Euro beziffert Inhaber Axel Bartholomäus das Volumen, das er am Umsatz der Unternehmen misst. 2009 lag es noch bei 4,5 Milliarden Euro. Der drastische Rückgang hat seine Ursache jedoch auch darin, dass Big Deals mit einem Volumen von über einer Milliarde Euro vergangenes Jahr ausgeblieben sind. Die größte Transaktion war die Gründung des Joint Ventures von Axel Springer und dem Schweizer Ringier Verlag, in das beide Unternehmen ihre Osteuropa-Geschäfte eingebracht haben. Das Volumen liegt bei 410 Millionen Euro.

Im M&A-Geschäft der Verlage gewinnt Online eine immer größere Bedeutung. Im Jahr 2010 waren schon mehr als ein Drittel der Deals Käufe und Verkäufe von Online-Aktivitäten. Im Mittelpunkt standen dabei B-to-C-Portale. Tendenziell werden diese Firmen auch höher bewertet als Unternehmen, die mit klassischen Printgeschäften ihren Umsatz machen. Das zeigen nicht zuletzt die extrem hohen Bewertungen von Facebook und Groupon zum Jahresende. Facebook zum Beispiel ist mit dem 25-Fachen seines Umsatzes bewertet. „Infolge der Verlagerung von Werbeumsätzen in Onlinemedien und der erfolgreichen Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle erfahren klassische Printmedien tendenziell eine strategische Entwertung, während digitale Medien im Wert steigen", so Bartholomäus.

Die meisten Transaktionen verzeichnen wie in den Vorjahren die Fachmedien mit 26 Prozent aller Deals, gefolgt von General- und Special-Interest-Medien. Nach Volumen betrachtet, liegen jedoch die Publikumsverlage vorn.

Für 2011 ist Bartholomäus optimistisch. Das Geschäft dürfte dank verbesserter Finanzierungsmöglichkeiten weiter anziehen. Zudem müssen sich die Verlage unverändert diversifizieren und kaufen zu oder kooperieren. Auf der anderen Seite werden Portfolios bereinigt, auch das belebt den Markt. pap
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