Transaktionsmonitor: Finanzkrise bremst Kauflust der Verlage

Donnerstag, 28. Januar 2010
Axel Bartholomäus, Inhaber der gleichnamigen M&A-Beratung in Frankfurt
Axel Bartholomäus, Inhaber der gleichnamigen M&A-Beratung in Frankfurt

Das Wirtschaftsklima schlägt auf die Investitionslust der deutschen Verlage durch. Nicht nur die Anzahl der Übernahmen und Beteiligungen ist 2009 zurückgegangen, auch das Volumen ist gesunken - gemessen am Umsatz der Kauf - beziehungsweise Beteiligungsobjekte um 8 Prozent auf rund 4,2 Milliarden Euro. Dies belegt der "Transaktonsmonitor", den die M&A-Beratung Bartholomäus & Cie erhebt. Statt um die Erweiterung des Geschäfts geht es derzeit vor allem um die Bestandssicherung. Das spiegelt sich vor allem in den Motiven wider, die den Transaktionen zugrunde liegen. Von den insgesamt 213 im Jahr 2009 getätigten Übernahmen und Beteiligungen haben 114 - und damit der mit Abstand größte Teil - das Ziel, das bestehende Geschäft zu festigen. Nur noch fünf Deals dienten der Diversifikation von Verlagen - das sind gerade mal 2 Prozent. Zum Vergleich: 2007 waren es fast 10 Prozent.

Die Zahlen deuten darauf hin, dass langfristige strategische Überlegungen angesichts der akuten wirtschaftlichen Probleme in den Hintergrund rücken. Die Anzahl der großen Deals ist jedoch trotz der Flaute im vergangenen Jahr leicht auf 23 gestiegen. "Meiner Meinung nach setzen gerade die großen Verlage ihre strategischen Portfolioentscheidungen auch in eher schwierigen Märkten konsequent um", sagt Axel Bartholomäus, Inhaber der gleichnamigen M&A-Beratung in Frankfurt.

So hat Axel Springer beispielsweise seine Regionalzeitungsbeteiligungen zu Jahresbeginn an die Verlagsgruppe Madsack in Hannover verkauft, aber auf der anderen Seite seine Beteiligung an Stepstone erhöht - einem der nach Kaufpreis größten Deals 2009.

Weniger strategisch ist es dagegen bei Springer Science & Business zugegangen. Der Fachverlag, der den Finanzinvestoren Cinven & Candover gehörte, ging für 2,3 Milliarden Euro über den Tisch, und zwar an EQT und GIC, ebenfalls Private-Equity-Investoren. Der Grund: Die Finanzinvestoren konnten ihre Bedingungen in den Kreditverträgen nicht einhalten und mussten verkaufen. Ohne den Deal wäre das Transaktionsvolumen gemessen am Umsatz um 40 Prozent zurückgegangen. Auch David Montgomerys Mecom musste sich auf Druck der Banken vom Berliner Verlag ("Berliner Zeitung", "Hamburger Morgenpost") trennen. pap
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