Tote Krankenschwester: Australischer Skandalsender setzt Telefonstreiche ab

Montag, 10. Dezember 2012
Michael Christian und Mel Greig in der Sendung "A Current Affair" (Bild: ninemsn.com.au)
Michael Christian und Mel Greig in der Sendung "A Current Affair" (Bild: ninemsn.com.au)


Der australische Radiosender 2DayFM steht weltweit im Kreuzfeuer der Kritik: Zwei Moderatoren der Station hatten vergangene Woche in der Klinik der schwangeren Herzogin Kate angerufen und sich dabei als Queen Elizabeth und Prince Charles ausgegeben. Die Krankenschwester, die den Anruf weitergeleitet hatte, nahm sich zwei Tage später offenbar das Leben. Ob ein Zusammenhang besteht, ist zwar noch nicht abschließend geklärt. Beim Mutterkonzern des Radiosenders gibt es aber bereits Konsequenzen. Nachdem die 46-jährige Jacintha Saldanha am Freitag tot aufgefunden wurde, drängte sich der Zusammenhang zu dem Telefonscherz vom vergangenen Mittwoch geradezu auf: Saldanha hatte den Anruf entgegen genommen, in dem sich die australischen Radio-Moderatoren Michael Christian und Mel Greig als Prince Charles beziehungsweise Queen Elizabeth ausgaben und sich nach dem Gesundheitszustand der mit Übelkeit eingelieferten Kate erkundigten. Die Krankenschwester fiel auf den Trick offensichtlich herein und leitete die Anrufer an die zuständige Abteilung weiter - wo man tatsächlich Informationen über den Zustand Kates herausgab.

Inwieweit Saldanhas Freitod im Zusammenhang mit diesen Ereignissen steht, ist derzeit noch unklar. Bei der Mediengruppe Southern Cross Austereo (SCA), dem Mutterkonzern von 2DayFM, läuft die innnere Revision derweil jedoch auf Hochtouren: Die "Hot 30 Show" von Christian und Greig wird abgesetzt, beide Moderatoren werden bis auf Weiteres nicht mehr im Radio auftreten. Außerdem werden auf den Sendern der Gruppe keine Telefonstreiche mehr gesendet. "Als einer der führenden kommerziellen Radiosender müssen wir sicherstellen, dass unsere internen Prozesse stabil sind. Wir behaupten nicht, perfekt zu sein, und wir sind stets bemüht besser zu werden", sagt SCA-Chef Rhys Holleran in einer Mitteilung. Deswegen sollen die internen Richtlinien einer Überpüfung unterzogen werden. Man sei tieftraurig über den tragischen Tod von Jacintha Saldanha und drücke allen Betroffenen tiefes Mitgefühl aus. "Wir bieten darüber hinaus allen, die  von den tragischen und unvorhersehbaren Ereignissen schockiert sind, unsere Unterstützung an", so Holleran weiter.

Als weitere Maßnahme verordnete sich SCA eine Werbepause: Das Unternehmen hat alle Werbeaufträge bis auf Weiteres ausgesetzt. Zuvor hat sich bereits die Supermarktkette Coles von sich aus zurückgezogen. Auf seiner Facebook-Seite schreibt das Unternehmen: "Wir können verstehen, dass die Australier wütend und aufgebracht sind über die scheinbaren Folgen des Telefonstreichs von 2DayFM. Wir wollen euch mitteilen, dass wir 2DayFM angewiesen haben, die Werbung der Coles Group so schnell wie möglich zu entfernen."

Michael Christian und Mel Greig äußerten sich nun in der Sendung "A Current Affair" zum ersten Mal öffentlich zu der Tragödie: Sie hätten nicht damit gerechnet, überhaupt etwas über Kates Zustand zu erfahren, so Christian. Zudem haben beide infolge der Ereignisse ihre Twitter-Accounts stillgelegt. Auch die Facebook-Seite von 2DayFM ist derzeit nicht abrufbar. Grund dürften die zahlreichen Anfeindungen und Drohungen sein, denen sich der Sender in den vergangenen Tagen ausgesetzt sah. ire
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