Thomas Rabe beklagt Versäumnisse bei Gruner + Jahr

Donnerstag, 13. Dezember 2012
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Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hat sich im Interview mit dem "Manager Magazin" erstmals zu der gescheiterten Komplettübernahme von Gruner + Jahr geäußert und dabei auch Fehler bei der Ausrichtung des Verlags eingeräumt. Die weitere Geschäftsentwicklung sei nur schwer abzuschätzen. Einen Sitz im Vorstand wird der Hamburger Verlag nicht mehr bekommen.
Im Oktober waren die Verhandlungen zwischen Bertelsmann und der Verlegerfamilie Jahr über eine Komplettübernahme des Verlags durch den Medienkonzern gescheitert. Rabe sieht dafür zwei Gründe: Zum einen sei es "zurzeit ausgesprochen schwierig, ein Verlagshaus zu bewerten, bei dem man nicht weiß, ob sein Ergebnisrückgang temporär oder von Dauer ist". Zum andern hätten "die Vorabveröffentlichung der Gespräche und die Indiskretionen den Abschluss der Transaktion erschwert". Das "Manager Magazin" hatte im August über die Verhandlungen berichtet. Damals wurde vermutet, dass interessierte Kreise in Gütersloh das Magazin gezielt mit Informationen versorgt habe. Rabe indes kritisiert die "Indiskretionen" als einen "Bruch von Vereinbarungen und Vertrauen".

Außerdem kritisiert Rabe auch Managementversäumnisse bei Gruner + Jahr: "Vielleicht war es ein Fehler, dass wir zu lange in den Ausbau traditioneller Printgeschäfte und zu wenig in den digitalen Umbau investiert haben. Vielleicht haben wir auch das Portfoliomanagement nicht intensiv genug betrieben." Der Verlag hat sich lange, womöglich zu lange auf sein Kerngeschäft konzentriert und im Gegensatz zu anderen Großverlagen wie Axel Springer und Hubert Burda Media kaum in digitale Geschäftsfelder investiert. Stattdessen floss jahrelang der gesamte Gewinn von G+J in Richtung Bertelsmann ab. Einem Gutachten zufolge sank der Wert des Verlags in den vergangenen zehn Jahren von 3,5 auf 2,5 Milliarden Euro. Auf einen Sitz im Vorstand von Bertelsmann wird der Verlag offensichtlich auf Dauer verzichten müssen: "Wir halten es nicht für zwingend, dass jede Division im Vorstand vertreten ist", sagt Rabe gegenüber dem "Manager Magazin".

Mit der Umsatzentwicklung des gesamten Konzerns ist Rabe zufrieden: "Unser Umsatz entwickelt sich recht gut. Wir werden insgesamt eine Umsatzmarge von über 10 Prozent ausweisen. Aber wir können uns von der wirtschaftlichen Entwicklung, vor allem in der Euro-Zone, leider nicht abkoppeln." Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage vor allem in Südeuropa müssten möglicherweise Wertberichtigungen vorgenommen werden. In punkto Gewinn will sich Rabe nicht festlegen: "Beim Konzernergebnis bin ich vorsichtig. Hier ist es noch zu früh für eine sichere Prognose."  Ziel ist ein Gewinn in Höhe des Vorjahresergebnisses in Höhe von 612 Millionen Euro. dh
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