Thomas Rabe: "Bertelsmann braucht Eigenkapital in Milliardenhöhe"

Freitag, 14. September 2012
"Halten uns alle Möglichkeiten offen": Thomas Rabe
"Halten uns alle Möglichkeiten offen": Thomas Rabe


Nachdem der seit Jahresbeginn amtierende Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Rabe den künftigen Kurs des Medienunternehmens abgesteckt hat, rücken nun die Finanzierungsfragen in den Vordergrund. "Klar ist, dass wir zusätzliches Eigenkapital in Milliardenhöhe benötigen, um unsere Wachstumsstrategie umzusetzen", betont Rabe im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Wie diese Mittel beschafft werden sollen, steht allerdings noch nicht fest. Außerdem bekennt sich Rabe in der "FAZ" klar zur Zeitschriftentochter Gruner + Jahr. Ein Börsengang scheint dabei trotz der Umwandlung des Medienkonzerns in eine SE & Co. KDaA eher unwahrscheinlich. Als Konglomerat müsse Bertelsmann mit einem Bewertungsabschlagrechnen, gibt Rabe zu bedenken: "Daher stellt sich die Frage, ob eine Eigenkapitalaufnahme auf Ebene der Dachgesellschaft Bertelsmann, gegebenenfalls verbunden mit einem Börsengang, überhaupt sinnvoll ist." Ein Börsengang sei daher nur eine von vielen Optionen. Klar sei: "Die Familie möchte Herr im eigenen Haus bleiben. Das ist ihr gutes Recht."

Bertelsmann hat im Mai die Rechtsform in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien umgewandelt, um sich neue Finanzierungsmöglichkeiten zu eröffnen - entweder über einen Börsengang oder den Einstieg von Investoren - und zugleich den Einfluss der Eigentümerfamilie Mohn auf das Unternehmen zu sichern. Möglich ist auch der Verkauf von Unternehmensteilen wie beispielsweise Teile der börsennotierten RTL Group. Konkret will sich Rabe indes noch nicht zu Finanzierungsfragen äußern: Wir halten uns da alle Möglichkeiten offen."

Ein klares Bekenntnis gibt Rabe in der "FAZ" dagegen zur Bertelsmann-Zeitschriftentochter Gruner + Jahr ab: "Wir wollen Gruner + Jahr behalten." Die Motivation für die von Rabe angestrebte vollständige Übernahme des Verlags sei nicht, den Verlag danach einfacher verkaufen zu können. "Eine engere Zusammenarbeit mit anderen Konzernteilen wie der RTL Group oder unserer Buchverlagsgruppe Random House wäre einfacher, wenn der Verlag zu 100 Prozent Bertelsmann gehörte." Mit großen Investitionen kann Gruner +Jahr indes nicht rechnen: "Das Zeitschriftengeschäft steht vor großen Herausforderungen, und auf diese Kernaufgabe soll sich Gruner + Jahr künftig konzentrieren."

Zum Abgang des G+J-Vorstandschefs und Bertelsmann-Vorstands Bernd Buchholz sagt Rabe, der Auslöser sei die Darstellung von Buchholz in einem Zeitschriftenartikel gewesen. "Unüberbrückbare strategische Differenzen hatten wir nicht". Bucholz nach der Kritik öffentlich beizuspringen, hätte aber nicht "dem Stil des Hauses" entsprochen. dh
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