Thomas Osterkorn verteidigt Enthüllungen über Rainer Brüderle

Donnerstag, 24. Januar 2013
Thomas Osterkorn: "Halte unsere Berichterstattung für legitim"
Thomas Osterkorn: "Halte unsere Berichterstattung für legitim"

Die Geschichte des "Stern" über FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle ("Der Herrenwitz") schlägt weiter hohe Wellen. Im Internet muss das Magazin heftige Kritik für die Enthüllungen über den Politiker einstecken. Vor allem der Zeitpunkt der Veröffentlichung wirft Fragen auf. Chefredakteur Thomas Osterkorn hat den Text nun gegen Kritik verteidigt - und nachgelegt: Es scheine ein wiederkehrendes Verhalten von Brüderle zu geben. In der aktuellen Ausgabe der Illustrierten berichtet "Stern"-Autorin Laura Himmelreich, wie Brüderle ihr gegenüber anzügliche Bemerkungen gemacht habe. "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen", soll Brüderle zu der 29-Jährigen Journalistin gesagt haben, als er sich vor gut einem Jahr abends an der Hotelbar an sie "heranwanzte" (O-Ton "Stern").

Der "Stern" selbst hat eingeräumt, dass es sich es sich bei der Veröffentlichung der Vorgänge um einen "Tabubruch" gehandelt habe - es sei schließlich "durchaus üblich", dass Politiker und Journalisten bei Parteitagen, Festen oder auf Reisen sich abends noch an der Bar treffen, um in einem etwas zwangloseren Rahmen miteinander zu sprechen. Der Grat zwischen locker und enthemmt sei schmal und nicht nur Brüderle verlasse ihn allzu gern, räumt die Redaktion ein. Warum also die Veröffentlichung ein Jahr nach dem Abend, an dem der Politiker zudringlich wurde? Brauchte der "Stern", der wegen sinkender Auflagenzahlen unter Druck steht, mal wieder einen echten Coup? War der Zeitpunkt günstig, weil Brüderle mittlerweile FDP-Spitzenkandidaten gekürt wurde? Allein auf Facebook hat der Beitrag mittlerweile über 300 teilweise äußerst kritische Kommentare hervorgerufen.

In einem auf der Website des "Stern" veröffentlichten Statement antwortet Chefredakteur Thomas Osterkorn nun auf die Kritik: "Der erste Eindruck, den Laura Himmelreich vor einem Jahr von Brüderles Umgang mit Frauen gewonnen hatte, bestätigte sich im Laufe der Zeit bei weiteren Beobachtungen und Begegnungen", schreibt Osterkorn. "Ich halte unsere Berichterstattung deshalb für legitim. Denn es scheint ein wiederkehrendes Verhalten von Brüderle zu sein. Was ihm jetzt nur nicht gefällt, ist, dass darüber berichtet wird."

Die beschriebene Begegnung habe zudem nicht in einem "quasi privaten" und damit geschützten Rahmen stattgefunden, sondern bei einem öffentlichen Treffen von Brüderle mit Journalisten an einer Bar. "Im Übrigen finde ich: Junge Journalistinnen, egal ob sie beim stern oder bei 'Spiegel online' oder sonstwo arbeiten, sind kein Freiwild, weder für Piraten noch für ältere Herren aus der Politik", so der Chefredakteur weiter. Die Wogen glätten konnte Osterkorn indes kaum: Bis Donnerstag Nachmittag hat die Stellungnahme bereits über 250 weitere Kommentare nach sich gezogen. dh
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