Thomas Gottschalk weist Vorwurf der gestiegenen Risikobereitschaft zurück

Montag, 06. Dezember 2010
Kandidat Samuel Koch bei den Proben für die Sendung am Samstag (Foto: ZDF/ Carmen Sauerbrei)
Kandidat Samuel Koch bei den Proben für die Sendung am Samstag (Foto: ZDF/ Carmen Sauerbrei)


Der schwere Unfall bei "Wetten, dass...?" hat eine neue Diskussion um die Jagd nach Einschaltquoten bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern entfacht. Das ZDF und Moderator Thomas Gottschalk weisen indes Vorwürfe zurück, sie würden durch die stärker werdende Konkurrenz bei den Wetten höhere Risiken eingehen. "Den Vorwurf, wir hätten unter Konkurrenzdruck eine unverantwortliche Wette ins Programm genommen, möchte und muss ich zurückweisen", sagt Gottschalk im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung": "Wir hatten immer schon riskante Wetten, ob mit Motorrädern oder auf Skisprungschanzen. Das ist ein Teil des Programms." Allerdings müssen man jetzt überlegen, ob das so bleiben kann. Er selbst sei im Redaktionsteam dafür bekannt, unnötigen Druck aus Wetten herauszunehmen. "Wenn bei uns der Eindruck entstanden wäre, er hätte sich mit seinem Wett-Angebot übernommen, hätten wir ihn vor sich selbst geschützt - wie wir das schon früher bei anderen Kandidaten getan haben", so Gottschalk. Der verunglückte Kandidat sei psychisch und physisch so stark gewesen, dass das Team keinen Grund hatte, an der Wette zu zweifeln. Ein Sturz bei den Proben sei so glimpflich verlaufen wie ein leichtes Foul bei einem Fußballspiel.

Nach Ansicht des ehemaligen Chefredakteur des ZDF, Klaus Bresser, habe die Gefährlichkeit der Wetten in der letzten Zeit zugenommen. "Es wäre gut, wenn man wieder zu den alten ungefärhlichen Wetten zurückkehren würde", sagte Bresser gegenüber der "Welt".

Auch aus der Politik werden erste Forderungen nach Konsequenzen laut: Der medienpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Burkhardt Müller-Sönksen, forderte einen neuen "Ehrenkodex": ZDF-Intendant Markus Schächter "sollte vor die Kameras treten und für das ZDF einen Ehrenkodex verkünden, der gefährliche Aktionen in Sendungen wie 'Wetten, dass ..?' in Zukunft ausschließt", sagte der FDP-Politiker der "Welt".

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, fordert eine Quotendebatte beim ZDF: "Natürlich müssen wir über die Themen sprechen: Wann werden die Grenzen des Verantwortbaren überschritten? Wie viel Risiko darf man eingehen? Und natürlich müssen wir auch über die Themen Nervenkitzel, Waghalsigkeit und Quote reden", sagte der SPD-Politiker der "Der Welt".

Thomas Gottschalk mit Michelle Hunziker
Thomas Gottschalk mit Michelle Hunziker
Die Einschaltquoten bei der laut ZDF größten Fernsehshow Europas stehen seit Jahren unter Druck. Während die Show noch vor einigen Jahren regelmäßig ein Publikum im zweistelligen Millionenbreich fesselte, haben sich die Zuschauerzahlen in den letzten Jahren bei rund 8 bis 9 Millionen Zuschauern eingependelt. Die privaten Sender, die sich "Wetten, dass ...?" früher mit Wiederholungen meist kampflos geschlagen gaben, spielen inzwischen auf Angriff. RTL feiert am Samstagabend mit der Show "Das Supertalent" Erfolge: Die Novemberausgabe von "Wetten dass...?" musste sich in der jungen Zielgruppe der RTL-Castingshow  geschlagen geben: 4,44 Millionen der 14- bis 49-Jährigen entschieden sich für RTL und bescherten dem Sender einen Zielgruppenmarktanteil von 34,8 Prozent. Im Vergleich dazu erreichte das ZDF mit 2,87 Millionen Zuschauern nur 22,6 Prozent Marktanteil.

Das ZDF versucht, "Wetten, dass ..?" für das junge Publikum wieder attraktiver zu machen, indem sie Thomas Gottschalk Michelle Hunziker als Co-Moderatorin zur Seite gestellt hat und mehr Studiogäste für ein jüngeres Publikum auswählt. Die Sendung am Samstag verfolgten bis zum Abbruch 8,13 Millionen Zuschauer. dh/mb
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