Thomas Ebeling: "Die Zukunft liegt in der Verbreiterung der Kundenbasis"

Mittwoch, 14. Dezember 2011
Thomas Ebeling, Medienmann des Jahres
Thomas Ebeling, Medienmann des Jahres

Als KKR und Permira verkündeten, dass der Pharma-Manager Thomas Ebeling die Geschicke von Pro Sieben Sat 1 leiten soll, unkten die Skeptiker laut vernehmbar: Was soll so einer in der Medienbranche? Doch Ebeling erarbeitete sich den Respekt der Branche in Rekordzeit. Im Interview mit HORIZONT spricht der Medienmann des Jahres über den Turnaround bei Pro Sieben Sat 1 und seine Wachstumsstrategie. Herr Ebeling, als Sie im März 2009 als CEO antraten, stand Pro Sieben Sat 1 nicht allzu gut da. Zudem wehte Ihnen ein kalter Wind entgegen, weil Sie branchenfremd waren. Wie furchtbar waren Ihre ersten Wochen? Überhaupt nicht schlimm. Wenn man Arbeitgeber und Branche wechselt, hat man unglaublich viele neue Eindrücke. Ich fand die Medienbranche von Anfang an sehr spannend. Es ist ein sehr schnelles Business, in dem Sie jeden Tag die Konsequenzen Ihres Handelns vom Vortag sehen und in dem Sie wahnsinnig schnell reagieren müssen. Ich hatte das gute Gefühl, hier wirklich etwas bewegen zu können.

Die Jurybegründung

Thomas Ebeling wird für seine herausragenden Leistungen in der Kategorie Medien ausgezeichnet. Der ehemalige Pharma-Manager hat es seit Amtsantritt 2009 geschafft, die kriselnde TV-Gruppe wieder auf einen erfolgreichen Kurs zu bringen. Zudem hat er neue Erlösströme wie Pay und Games erfolgreich etabliert. Mit der Wahl honoriert die Jury die Leistung, einen erfolgreichen, zukunftsorientierten Turnaround zu bewerkstelligen. Die Verleihung erfolgt auf einstimmigen Beschluss der Jury vom 2. November.

Sie bekommen die Auszeichnung „Medienmann des Jahres" vor allem deshalb, weil Sie einen beeindruckenden Turnaround hingelegt haben. Was war der wichtigste Schlüssel? Dass wir eine echte Unternehmer-Kultur in allen Teilen des Konzerns etabliert haben. Dazu gehört die Umsetzung von „out of the box"-Ideen, zum Beispiel in der Vermarktung oder bei der Erschließung neuer Umsatzquellen, und die Inspiration durch kreative Prozesse aus anderen innovativen Industrien. Ein großartiges Programm wie „The Voice" kommt eben auch deswegen zustande, weil wir uns jetzt an den höchsten Standards orientieren.

Wie ist 2011 für Pro Sieben Sat 1 gelaufen? Insgesamt war es für die TV-Vermarktung ja ein ziemlich enttäuschendes Jahr. Das kann man so nicht sagen. Der deutschsprachige Markt wird im unteren einstelligen Prozentbereich wachsen, der deutsche TV-Markt ist stabil. Die weiße Linie, also Milchprodukte, hat sehr geschwächelt. Wir haben jedoch viele neue Kunden gewonnen und bei den kleineren enorm zugelegt. Ich glaube, die Zukunft liegt in der Verbreiterung der Kundenbasis. Wir wollen uns weniger abhängig machen von den großen Etats.

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Bis 2015 wollen Sie im Kerngeschäft deutschsprachiges Free-TV um 250 Millionen Euro wachsen. Woher wird das Wachstum kommen? Wir glauben, dass der deutsche TV-Markt eine zu geringe Werbeintensität hat. Auch das Preisniveau ist im internationalen Vergleich zu niedrig. Zudem testen wir via Kabel regionale Werbung. Das bietet neue Möglichkeiten. Und schließlich: Print ist in Deutschland als Werbemedium aus unserer Sicht überbewertet.

Das heißt, Pro Sieben Sat 1 will an die Budgets der Discounter heran, die vor allem auf Zeitungen setzen? Aldi hat wegen der Trennung in Nord und Süd bislang nicht im nationalen Medium TV geworben. Wir denken über alle Regionalkunden nach, die sonst Outdoor, Radio oder eben Print machen. Dazu gehören unter anderem regionale Biermarken - und selbstverständlich auch Retailer. pap/js
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