Thielen distanziert sich von Bertelsmann-Börsengang und will wachsen

Montag, 28. August 2006

Nachdem Bertelsmann im Frühjahr den 25,1-prozentigen Anteil von der belgischen Finanzgruppe GBL zurückgekauft hat, ist der Börsengang für die Gütersloher kein Thema mehr. "Wir brauchen und wollen kein fremdes Geld von der Börse", sagt Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender Gunter Thielen im "Spiegel". Von den für den Rückkauf aufgenommenen Krediten sieht er keine Gefahr für die finanzielle Situation des Konzerns ausgehen. "An der Börse hätten wir deutlich mehr Geld ausschütten müssen. Auch die Banken, die uns den Rückkauf finanzieren, finden unser Konzept überzeugend", so Thielen. Die Schulden sollen von derzeit 8 Milliarden Euro bis Ende 2007 auf 5,5 sinken, auch durch den Verkauf des Musikverlags von BMG. Weitere Unternehmensteile stehen laut Thielen zum Schuldenabbau nicht zum Verkauf. Stattdessen setzt der 64-jährige Konzernchef auf Wachstum. "Wir haben ein Wachstumspotenzial von fünf bis acht Prozent jährlich", sagt er. Chancen sieht er vor allem in Osteuropa. China wird dagegen in den kommenden Jahren angesichts der strengen staatlichen Zensur keinen relevanten Beitrag zum Geschäft leisten.

Hohe Erwartungen stellt Thielen an die Dienstleistungssparte Arvato, in der unter anderem das Handygeschäft, Callcenter, CD-Presswerke und Public Private Partnerships für Verwaltungsaufgaben angesiedelt sind. "Arvato habe ich selbst mitaufgebaut. Das bewegt sich auf einem Terrain, das kaum Grenzen kennt. Die Servicemärkte sind weltweit sehr groß", so Thielen.

Ob der jetzige Arvato-Chef Hartmut Ostrowski gute Chancen hat, im kommenden Jahr Bertelsmann-Chef zu werden, will Thielen nicht kommentieren. "Anfang 2007 wird entschieden, wer mir nachfolgt", sagt er. pap

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