"The Winner is ..." im HORIZONT-Check: Misslungener Format-Spagat

Donnerstag, 12. April 2012
Schwieriger Spagat: Jury-Mitglied Mousse T. und Moderatorin Linda de Mol
Schwieriger Spagat: Jury-Mitglied Mousse T. und Moderatorin Linda de Mol


Moderatorin Linda de Mol bemühte sich gleich zu Beginn, alle Bedenken zu zerstreuen: "Noch eine Castingshow. Muss das sein? Ich höre Sie das denken," nahm sie den Zweiflern die Worte aus dem Mund - und schob die Antwort natürlich sofort nach: "Jawohl!" Denn "The Winner is ..." sei natürlich keine Castingshow, sondern eine Gameshow. Doch der Spagat zwischen Casting- und Gameshow gelang nur mühsam. Das Konzept: Jeweils zwei Musikacts treten in sogenannten "K.O.-Battles" gegeneinander an. Wer weiterkommt, entscheidet eine Jury aus 100 "Normalbürgern", die sich nach dem Auftritt für einen der Kandidaten entscheiden müssen. Für ein Mindestmaß an Musikkompetenz - nach welchen Kriterien die Jury ausgewählt wurde, bleibt ein Geheimnis - sorgt Produzent Mousse T., der allerdings auch nur über eine einzige Stimme verfügt. Doch vor der Bekanntgabe der Jury-Entscheidung wird die Casting- zur Gameshow.

Die Kandidaten müssen ihren Auftritt zunächst selbst einschätzen. Wer nicht an sein Weiterkommen glaubt, kann freiwillig aussteigen und 5000 Euro einsacken - mit jeder Runde steigt aber auch der Geldpreis. Wer an sich glaubt, kann mit den Worten - Achtung, Anspielung - "No Deal!" auf Sieg setzen. Der Sieger kommt eine Runde weiter, der Verlierer kann sich zumindest über einen Geldpreis freuen, wenn er richtig getippt hat. Wer zockt und verliert, geht komplett leer aus.

Das eigentlich charmante Konzept ermüdet allerdings sehr schnell. Spätestens nach dem zweiten Battle wiederholt sich der Ablauf, insgesamt muss sich der Zuschauer durch acht Kategorien quälen. Zwar gab es durchaus spannende Momente: Die Mutter eines jungen Kandidaten entschied sich trotz des durchaus überzeugenden Auftritts ihres Sohnes lieber für das Geld und drohte zum Buhmann zu werden. Da sich die Jury allerdings mit knapper Mehrheit für die andere Kandidatin entschieden hatte, hatte sie am Ende alles richtig gemacht und konnte sich zumindest über das Geld freuen.

Überhaupt schien bei vielen Kandidaten vor allem die Aussicht auf das schnelle Geld im Mittelpunkt zu stehen: Sänger George McCrae, der bei den Profis antrat, brachte seine Motivation klar auf den Punkt: "It's all for the money". Zahlreiche Kandidaten kannte man bereits aus anderen Castingshows. Bei "The Winner is..." winkt zwar kein Ruhm, aber immerhin ein bisschen schnelle Kohle. Damit wirkte die Show teilweise wie eine Castingshow-Resterampe. Darüber konnte selbst die charmante Moderation von Linda de Mol nicht hinwegtäuschen.

Auch bei den Zuschauern kam der Casting-Gameshow-Mixup nicht besonders gut an: Gerade einmal 1,64 Millionen Zuschauer schalteten die erste Folge ein, darunter weniger als eine Million junge Zuschauer (0,99 Mio.). Der Marktanteil blieb bei erbärmlichen 7,8 Prozent hängen. Man darf bezweifeln, ob die Show am Freitag gegen "Wer wird Millionär?" besser abschneidet. dh
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