"The Biggest Loser" – Dicke Freunde, dünne Quote

Mittwoch, 03. März 2010
Das Abnehm-Format läuft auch auf Kabel Eins nicht zur vollsten Zufriedenheit
Das Abnehm-Format läuft auch auf Kabel Eins nicht zur vollsten Zufriedenheit

Die Reality-Doku "The Biggest Loser - Abspecken im Doppelpack" musste sich am Dienstagabend auf dem neuen Sendeplatz bei Kabel Eins (20.15 bis 22.15 Uhr) mit Marktanteilen von  5,7 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe zufrieden geben. In absoluten Zahlen gesprochen, schauten rund 740.000 der 14- bis 49-Jährigen den Übergewichtigen beim Abnehmen zu. Insgesamt schalteten 1,2 Millionen Zuschauer ein. Der erhoffte Quotenbringer blieb damit sogar unter dem derzeitigen Senderschnitt von 6,1 Prozent. Wirft man einen Blick auf das Konkurrenzprogramm, ist das nicht weiter verwunderlich: RTL holte mit dem Doppelpack "CSI: Miami" (Folge 1) und "Dr. House" (Folge 82) beim jungen Publikum Marktanteile von rund 23 Prozent, was etwa dem Vierfachen von "The Biggest Loser" entspricht. Dem informierten TV-Zuschauer wird das Abspeck-Format "The Biggest Loser" bekannt vorkommen. Bereits vor etwa einem Jahr lieferten sich verzweifelte Opfer des Jojo-Effekts einen erbitterten Kampf gegen die Kilos. Allerdings auf Pro Sieben. Wegen unbefriedigender Marktanteile zwischen 9,6 und 11,6 Prozent wurde die Doku beim Muttersender nicht fortgesetzt und wird nun an die Tochter Kabel Eins weitergereicht.

Offiziell geht es in "The Biggest Loser - Abspecken im Doppelpack" für die 16 Kandidaten darum, möglichst viel Gewicht zu verlieren, um der Gewinnsumme in Höhe von 25.000 Euro näher zu kommen. Neuerdings treten die Teilnehmer in einer Finca auf Mallorca in Zweierteams, die sich aus Mutter und Tochter, zwei "dicken Freunden", Ehemann und Ehefrau oder sonstigen Konstellationen zusammensetzen, gegeneinander an. Schnell wird klar, dass das Format unter der Hand davon lebt, die "Dicken" vorzuführen.
Ein starkes Team: Die 16 Kandidaten der Reality-Soap kriegen ihr Fett weg
Ein starkes Team: Die 16 Kandidaten der Reality-Soap kriegen ihr Fett weg
Fiese Unterwasseraufnahmen, bei denen das überschüssige Gewebe in Wallung kommt, sind nur ein Beispiel der Inszenierung der adipösen Teilnehmer. Zwar geht es laut Moderatorin Regina Halmich um "Fitness, Ernährung und viel Disziplin", wirklich gute oder innovative Tipps lassen sich für übergewichtige Zuschauer aber nicht ableiten. Der wissenschaftliche Anspruch sowie der Lernfaktor sind gleich Null, der Unterhaltungsfaktor dafür umso größer.

Hierfür sind maßgeblich Sven und Heiko verantwortlich. Die zwei charismatischen, glatzköpfigen und Solarium-gebräunten Kiez-Kumpels, die alles andere als zimperlich sind, bilden zusammen (un)passenderweise "Team Rosa" und mischen in alter Macho-Manier die Mitstreiter auf.

Die Ex-Boxweltmeisterin Regina Halmich, 33, ist in ihrer neuen Rolle als Moderatorin hingegen alles andere als schlagfertig. Ihre Texte wirken auswendig gelernt und sie lässt die Emotionalität vermissen, nach der Zuschauer von derartigen Reality-Dokus verlangen. Knock-Out für Halmich: Sie ist kein guter Ersatz für Katharina Witt, die das Format zuvor moderierte. Gut also, dass das ehemalige Fliegengewicht eher selten zu Wort kommt. Die Trainer Silke Kayadelen und Andreas Büdeker übernehmen den Löwenanteil der Sendung, indem sie die Kandidaten in der "Folterkammer" zu sportlichen Höchstleistungen treiben. Zu Anfang der ersten Folge wurden die vollschlanken Fitnessmuffel gewogen, nach einer Woche wird ihr Gewicht erneut überprüft. Die zwei Teams, die am wenigsten abgenommen haben, sind automatisch nominiert und die übrigen sechs Teams entscheiden per Votum, wer gehen muss. Glücklicherweise ist "Team Rosa" noch mit von der Partie, sodass sowohl die Teilnehmer als auch die Zuschauer wenigstens etwas zu lachen haben.

Fazit: "The Biggest Loser" ist ein Format ohne Format. Mit einer Tüte Chips, einer Tafel Schokolade und einem gewissen Hang zum Fremdschämen und zur Schadenfreude lässt sich die seichte Unterhaltung jedoch ganz gut ertragen. hor
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