Telekom verkauft ihr Kabelnetz

Mittwoch, 13. Mai 1998

Die Deutsche Telekom will die Ausgliederung ihres defizitären Kabelgeschäfts beschleunigen. Telekom-Vorstand Gerd Tenzer kann sich vorstellen, das gesamte Netz für einen "hohen Preis" zu verkaufen. Offen ist noch, ob das gesamte Kabelnetz, an das derzeit 6 Millionen Haushalte angeschlossen sind, an einen Großinvestor verkauft oder zunächst regionalisiert wird. Potentielle Investoren sieht Tenzer in Software-Firmen, privaten Kabelnetzbetreibern und Investmentbanken. Denkbar sind die Telekommunikationskonzerne Viag und Veba sowie der Softwareriese Microsoft, der über diese Plattform die digitale Verknüpfung von PC und TV vorantreiben könnte. Die Entscheidung über die Zukunft des Kabelgeschäfts werde der Telekom-Vorstand im Sommer fällen, der Aufsichtsrat soll im Herbst zustimmen. Ziel sei es, den Bereich zum 1. Januar 1999 auszugliedern. Experten schätzen den Wert des gesamten Kabelnetzes auf 20 bis 30 Milliarden Mark. Die Telekom mußte für ihr Kabelgeschäft im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 3,1 Milliarden Mark einen Verlust von 1,3 Milliarden Mark ausweisen. Die drohende Senkung der Kabelgebühren ab 1. Januar 1999 würde dieses Defizit weiter vergrößern. Nach einer Verfügung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post soll die Telekom ihre erst am 1. November 1997 um 3,40 Mark auf 25,90 Mark erhöhten monatlichen Kabelgebühren wieder um 2,25 Marksenken. Die Entscheidung, das Kabelgeschäft auszugliedern, sei unabhängig von der noch laufenden Prüfung der Kooperation von CLT-Ufa, Kirch-Gruppe und Telekom im digitalen Pay-TV, betonte Telekom-Sprecher Stefan Althoff. Mit neuen Partnern und Investitionen könne man das Kabelgeschäft nachhaltigin die schwarzen Zahlen führen. Weitere Infos in HORIZONT 20/98.
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