Telekom streitet mit Google & Co über Geld für schnelle Datenautobahn

Donnerstag, 13. Januar 2011
Bisher sperrt sich Eric Schmidt gegen die Zahlung einer Maut
Bisher sperrt sich Eric Schmidt gegen die Zahlung einer Maut

Online-Spiele und der Download von Videos - vor allem aufgrund der Nutzung dieser Internetangebote wächst die Datenmenge im Internet rasant und immer häufiger spüren die Nutzer, dass die Kapazitätsgrenze erreicht ist. Daher will Telekom-Chef René Obermann in Deutschland bis zum Jahr 2012 zehn Milliarden Euro investieren, um die Netzinfrastruktur auszubauen. Woher der Manager dieses Geld nehmen will? Von Inhalteanbietern wie Google und Facebook. Dies berichtet das "Handelsblatt" in seiner heutigen Ausgabe. Die Verbraucher zur Kasse zu bitten, wäre keine Option, schließlich würde dies im hart umkämpften Telekommunikationsmarkt zu zahlreichen Kündigungen führen. Da aber die Inhalteanbieter von einer schnellen Internetverbindung profitieren, da sie ihre Reichweiten steigern und somit mehr Werbeeinnahmen erzielen können, sollen sie nun zahlen. Obermann schwebt ein Klassensystem im Internet vor. Wer die schnelle Datenautobahn bevorzugt, wird zur Kasse gebeten. Wer sich quasi mit der Landstraße zufrieden gibt, fährt umsonst.

Die Expertenmeinungen zu dieser Strategie sind geteilt. Die Apokalyptiker befürchten das Ende des freien Internets und sehen Möglichkeiten zur Zensur. Nach Meinung der Befürworter gibt es keine Alternative. "Würden alle Diensteanbieter gleichermaßen bevorzugt, wäre das so, als würde man jedem Start-up einen Rolls-Royce gratis vor die Tür stellen", sagt Gartner-Analyst Jean-Claude Delcroix gegenüber dem "Handelsblatt".

Und was sagen die Inhalteanbieter? Bereits im Herbst, als die Pläne des Telekomchefs erstmals bekannt wurden, erteilte Google-CEO Eric Schmidt eine Absage. Derzeit geben sich die Inhalteanbieter verschlossen. Hinter den Kulissen soll sich Google & Co aber gesprächsbereit zeigen. Auch ihnen sei bewusst, dass es so nicht weitergehe, heißt es hinter vorgehaltener Hand bei der Telekom. bn
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