Telekom-Finanzchef löst Thomas Middelhoff bei Arcandor ab

Mittwoch, 03. Dezember 2008
Wird er Arcandor-Chef? Karl-Gerhard Eick
Wird er Arcandor-Chef? Karl-Gerhard Eick

Arcandor hat offenbar einen Nachfolger für Vorstandschef Thomas Middelhoff gefunden. Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick soll Middelhoff als Vorstandsvorsitzender des Handelskonzerns ablösen. Das erfuhr manager-magazin.de aus Unternehmenskreisen. Die Deutsche Telekom hatte gestern mitgeteilt, dass der 54-jährige Eick um die vorzeitige Auflösung seines bis 2012 laufenden Vertrags gebeten hat. Eick, der sich seinerzeit Hoffnungen auf den Posten des Vorstandschefs bei der Deutschen Telekom gemacht hatte und sich René Obermann geschlagen geben musste, hatte bereits in der Vergangenheit mit einem Wechsel geliebäugelt. Zuletzt war er auch als  Chef des Haniel-Konzerns und von Thyssen-Krupp im Gespräch. 

Die Ablösung Middelhoffs ist keine Überraschung. Middelhoff, der seinen Vertrag im April 2008 notgedrungen bis Ende 2009 verlängert hat, wollte ursprünglich bereits Ende 2008 aus dem Unternehmen ausscheiden, um sich anderen Aufgaben zu widmen. Eine vorzeitige Auflösung seines Vertrages wäre daher durchaus denkbar. Bei Arcandor will man die Personalie Eick freilich nicht bestätigen. "Spekulationen kommentieren wir grundsätzlich nicht", erklärt Kommunikationschef Gerd Koslowski gegenüber HORIZONT.NET.  

Sollte sich der Wechsel Eicks bewahrheiten, wartet bei Arcandor auf den Manager eine Herkulesaufgabe. Der Versuch Middelhoffs, den Konzern zu sanieren, gilt als gescheitert. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres hat sich ein Verlust von 375 Millionen Euro angehäuft. Auch die Aktie hat zuletzt deutlich an Wert eingebüßt. Außer dem Reiseveranstalter Thomas Cook sind derzeit alle Sparten des hoch verschuldeten Konzerns defizitär. Erst im Sommer musste Arcandor neue Kredite aufnehmen, um zahlungsfähig zu bleiben. Middelhoff wollte das Versandhandels- und Kaufhausgeschäft in strategische Partnerschaften einbringen, ist mit dem Vorhaben aber bislang nicht weitergekommen. Zuletzt hatte offenbar auch die Großaktionärin, Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, das Vertrauen in den Vorstandschef verloren. mas
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