Tageszeitungen veröffentlichen Recherchen zur Causa Wulff

Freitag, 13. Januar 2012
"Die Welt" hat ihre Anfragen samt Antworten ins Netz gestellt
"Die Welt" hat ihre Anfragen samt Antworten ins Netz gestellt


Mehrere führende Tageszeitungen haben ihre Anfragen an Bundespräsident Christian Wulff und die entsprechenden Antworten seiner Anwälte frei gegeben. Sie reagieren damit auf die Weigerung des Bundespräsidenten, alle Anfragen zur Kredit- und Medienaffäre offenzulegen. Der Vorgang sei "einmalig in der deutschen Pressegeschichte", schreibt der SZ-Redakteur Hans Leyendecker.
Im Interview mit ARD und ZDF hatte Wulff am 4. Januar zugesagt, alle bis dato rund 400 Fragen und die Antworten der von ihm beauftragten Anwaltskanzlei ins Internet zu stellen. Stattdessen wurde aber lediglich eine sechsseitige allgemeine Erklärung veröffentlicht. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" wurden im Bundespräsidialamt zwei Modelle beraten: Das eine Modell sah die vollständige Veröffentlichung aller Fragen und Antworten vor - allerdings befürchtete man, das Material werde zu einem "Steinbruch für eine Fortsetzung der Kampagne", zitiert die "SZ" einen Vertrauten von Wulff.

Daher bekam schließlich Variante zwei den Vorzug, nach der das Material unter Verschluss bleiben sollte. Begründet wurde dies mit der juristischen Finte, dass sich die Verschwiegenheitspflicht von Wulffs Anwälten auch auf die Anfragen erstrecke: "Eine Veröffentlichung der an uns gestellten Journalistenfragen würde das Recht der jeweils anfragenden Journalistinnen und Journalisten am eigenen Wort und an dem Schutz ihrer Rechercheergebnisse oder -ziele verletzen."

Mehrere führende Medien haben daher ihre Anfragen und die entsprechenden Antworten von sich aus freigegeben, als erste "Die Welt", die ihre Fragenkatalog ins Internet gestellt hat, danach auch "Bild", die "Frankfurter Rundschau", die "Berliner Zeitung", der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung". Mehrere andere Tageszeitungen haben einer Veröffentlichung unter der Bedingung zugestimmt, dass ihr Name nicht genannt wird. Der "Focus" hat eine Publizierung mit Hinweis auf weitere Recherchen abgelehnt.

Trotzdem bleiben weiterhin viele Fragen offen: Die Veröffentlichung werde zeigen, "wie wenig manche Antworten erklären, wie oft Nachfragen nötig waren", teilten etwa die "Frankfurter Rundschau" und die "Berliner Zeitung" mit. Die Schlacht zwischen den Medien und Christian Wulff geht weiter. dh
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