"TV der Zukunft": 3D-Fernsehen braucht noch Jahre bis zum Durchbruch

Donnerstag, 20. Oktober 2011
Astra-Chef Wolfgang Elsäßer
Astra-Chef Wolfgang Elsäßer


Vergangenes Jahr zur Internationalen Funkausstellung klang es schon, als stünde 3D-Fernsehen unmittelbar vor dem Durchbruch. Doch auch diese technische Innovation wird noch vier bis fünf Jahre brauchen, um sich am heimischen Fernseher durchzusetzen, schätzt Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer von Astra Deutschland. Vorher wird es sich für die Plattform- und Senderbetreiber kaum lohnen, in großem Stil Inhalte bereit zustellen. "Wir leben alle von Reichweite", so Elsäßer auf den Medientagen München. Die Gerätindustrie setzt zwar schon massiv auf den Standard. So kommt der Großteil der großflächigen TV-Geräte mittlerweile mit einer 3D-Funktion auf den Markt. An den Inhalten hapert es jedoch noch. Elsäßer schätzt, dass zwischen 600.000 und 700.000 Geräte in Deutschland verkauft sind. Für diese Zielgruppe will Astra im Dezember einen eigenen 3D-Kanal starten. Er soll aber vor allem ein Eventsender sein, bei dem zum Beispiel große Sportereignisse präsentiert werden können.

Für Sport und Action-Filme ist die Technik interessant, während zum Beispiel Nachrichten als ein Format gelten, das die Zuschauer nicht unbedingt in 3D sehen wollen. "Niemand behauptet, dass 3D-Fernsehen 2D ersetzen wird", sagt Torsten Hoffmann, Managing Partner von Global Media Consult, der 3D-Content vertreibt.

Katharina Behrends, Geschäftsführerin von NBC Universal in Deutschland, ist denn auch ziemlich skeptisch und glaubt nicht, dass es sich schon lohnt, in großem Stil auf 3D zu setzen. Die Kosten für die Produktion und auch Transformation von altem Material, seien relativ hoch. "3D ist teuer und wird teuer bleiben", sagt sie. Sie kann sich allerdings vorstellen, zumindest einzelne Inhalte beispielsweise vom Science-Fiction-Sender Syfy bereit zu stellen. Diese könnten eventuell auf dem 3D-Kanal des Pay-TV-Betreibers Sky Deutschland ausgestrahlt werden.

Vor allem was 3D-Fernsehen ohne Brille betritt, sind die Marktpartner skeptisch. Die Präsentation von Beat Kronenberg, dessen Firma 3D Impact Media an der Technologie arbeitet, vermag Elsäßer und Behrends nicht zu überzeugen. "Ich finde das HD-Bild besser, als das, was ich hier gesehen habe", urteilt Behrends über die Technik, die Kronenberg als "marktreif" bezeichnet.

Dass 3D-Fernsehen ohne Brille kommt, könnte aber auch entscheidend dafür sein, dass sich das Thema flächendeckend durchsetzt. So manche potenziellen Käufer warten im Moment beim Fernsehkauf auf den nächsten Technologieschritt ab. pap
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