Surf 1 ist das erste Opfer in der deutschen Flatrate-Branche

Montag, 04. September 2000

Der Bitburger Internetdienstleister Surf 1 hat sich kräftig verrechnet und ist nun zahlungsunfähig geworden. Der Anbieter hat seinen Kunden für 139 Mark im Monat Internet-Surfen ohne Zeitlimit angeboten. Allerdings waren 80 Prozent der Nutzer länger im Netz als kalkuliert. Geschäftsführer Nylis G. Renschler muss einräumen, dass dies auf Dauer unter den derzeitigen Rahmenbedingungen in Deutschland nicht finanzierbar sei. Im vergangenen Jahr setzte Surf 1 über 4,4 Millionen Mark um. Der Umsatz stieg nach Unternehmensangaben in der ersten drei Monaten dieses Jahres bereits auf 11 Millionen Mark. Für 2001 war der Gang an die Börse geplant. Geht es nach dem FDP-Bundesvorsitzenden Wolfgang Gerhardt, wird sich das Flatrate-Geschäft in Zukunft ändern. Das neue Mitglied der von Vertretern der Web-Wirtschaft gegründeten Internetkoalition, die sich für eine Großhandelsflatrate ausspricht, fordert ein Umdenken. Man müsse sich von der alten Telefonwelt verabschieden. Deutschland brauche neue Tarife für ein neues Medium. So sollen die Internetkosten durch die Weitergabe kalkulierbarer Großhandelspreise von der Deutschen Telekom an die Wettbewerber spürbar gesenkt werden. "Unter derzeitigen Bedingungen werden erschwingliche Flatrates in Deutschland eine Utopie bleiben. Eine Flatrate auf der Basis eines minutenbasierten Einkaufs anbieten zu wollen, bedeutet für den Mittelbau der deutschen Provider den sicheren Ruin."
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