Super RTL schließt Exklusivvertrag mit Dreamworks

Montag, 27. Mai 2013
Der Kindersender emanzipiert sich von seinem Gesellschafter Disney
Der Kindersender emanzipiert sich von seinem Gesellschafter Disney


Anfang 2014 beendet Disney die Programmzulieferung an Super RTL und startet mit dem Disney Channel einen neuen frei empfangbaren Fernsehsender. Super RTL, seit 1998 Marktführer bei den ganz jungen Zuschauern, reagiert mit einer neuen Allianz auf die Herausforderung: Im Rahmen der LA Screenings hat der Kindersender eine Kooperation mit dem Animationsstudio Dreamworks bekannt gegeben. Fünf Jahre lang hat Super RTL exklusiven Zugriff auf Serien aus der von Steven Spielberg mitgegründeten Kreativschmiede, die vor allem mit Erfolgsfilmen wie "Shrek" oder "Madagascar" bekannt geworden ist. Insgesamt stehen dem Kindersender über 1200 halbstündige Serienfolgen zur Verfügung, berichtet der Branchendienst DWDL. Dreamworks will seine Filme in den kommenden Jahren konsequent in Form von TV-Serien weiterverwerten, die wiederum neue Filme der jeweiligen Reihe promoten. Super RTL ist dabei der weltweit erste Partner für die neue Strategie.

Mit dem Dreamworks-Deal stellt sich Super RTL auf die leicht bizarr anmutende Herausforderung ein, künftig auf dem TV-Markt mit dem eigenen Anteilseigner Disney konkurrieren zu müssen. Disney hatte im vergangenen Jahr den Spartensender Das Vierte übernommen, der im Januar 2014 als Disney Channel neu an den Start geht. Zugleich stellt der Medienkonzern seine Programmlieferung an Super RTL ein.

Der Kindersender hat sich bereits in den vergangenen Monaten auf die neue Situation eingestellt und den Anteil an Disney-Produktionen nach und nach zurückgefahren. Bislang hatte Super RTL in der für den Sender zentralen Daytime fast 30 Prozent der Sendefläche mit Programmen seines Gesellschafters bestritten. Künftig will der Sender mehr eigene Formate produzieren und beispielsweise am Vorabend neue Wissen-Magazine zeigen. Außerdem deckt sich Super RTL künftig verstärkt bei unabhängigen Produzenten ein. Ganz muss der Sender auf Disney-Produktionen indes nicht verzichten: Da der zweite Hauptgesellschafter von Super RTL, die Mediengruppe RTL Deutschland, einen Output-Deal mit dem US-Konzern abgeschlossen hat, können die Kölner auch in Zukunft Serien wie "One upon a Time" zeigen.

Allerdings gibt man sich bei Super RTL keinen Illusionen hin, dass die Karten in der Zielgruppe der 3- bis 13-Jährigen durch den Start des Disney Channel neu gemischt werden: Gegenüber dem "Focus" sagte Geschäftsführer Claude Schmit, er rechne damit, dass Super RTL die Marktführerschaft mittelfristig verliere. "Da der Disney-Challe ähnlich positioiniert ist wie wir, wird dieser bei uns die meisten Zuschauer abschöpfen." Lachender Dritter wäre dann der öffentlich-rechtliche Kinderkanal: Es sei durchaus möglich, dass dieser "dann an uns vorbeizieht". dh
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