Süddeutscher Verlag steigt 2005 auf Tabloid-Zug auf

Freitag, 03. Dezember 2004

Der Süddeutsche Verlag plant ab kommenden Jahr den Start einer Tabloid-Ausgabe der "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"), mit der vor allem junge Leserschichten erreicht werden sollen. Die Tests für das geplante Tabloid-Format der "SZ" seien gut verlaufen, die Gesellschafter müssten dem Projekt aber noch zustimmen, sagte "SZ"-Chefredakteur Hans-Werner Kilz am Donnerstag in München.

Nach Angaben von Verlags-Geschäftsführer Klaus Josef Lutz soll eine Entscheidung spätestens im ersten Quartal 2005 fallen. Mit der Ausgabe im populären Kleinformat, die derzeit noch den Arbeitstitel "SZ2" trägt, will der Verlag vor allem 14- bis 39-Jährige erreichen. Es sei auch eine Beilage innerhalb des Hauptblatts vorstellbar, sagte Kilz. Er deutete aber an, dass er eine tägliche Ausgabe im Tabloid-Format bevorzuge.

Damit tritt die "SZ" gegen Springers "Welt kompakt" und "News" von der Verlagsgruppe Handelsblatt an - beides Tabloid-Ableger großer Tageszeitungen, die in den vergangenen Monaten lanciert wurden. Offizielle Zahlen zur Akzeptanz des Formats gibt es aber noch nicht. Kilz betonte, dass die "SZ2" einen eigenen Stil haben und eine "Zeitung zum Lesen" sein solle.

Wirtschaftlich sieht sich der Verlag auf gutem Weg: "Wir sind über den Berg und schreiben schwarze Zahlen", sagte Verlags-Geschäftsführer Lutz. Der operative Gewinn des Verlags werde in diesem Jahr besser ausfallen als im Vorjahr. Auch unter dem Strich erwirtschafte das Unternehmen wieder Gewinne, nach dem Turnaround 2003. Lutz wies aber darauf hin, dass die Lage immer noch schwierig sei. Es gebe geradezu eine Strukturkrise der Zeitungsbranche. Der Verlag werde seine Planziele schaffen. "Es ist aber nötig, zusätzliche Erlösquellen zu erschließen." Die Schwankungen im wichtigen Anzeigengeschäft ließen keine Prognose 2005 zu, sagte Lutz. "Die Volatilität ist noch stärker geworden." Die Verlagsgruppe plane mit einem unveränderten Umsatz.

Mit Blick auf Produkte für zusätzlichen Umsatz sagte er, der Verlag habe 2005 drei große Projekte. Details wollte er nicht nennen. Seit dem Frühjahr verkauft der Verlag in der Reihe "SZ-Bibliothek" Literatur-Bestseller zu niedrigen Preisen. Zudem hat der Verlag eine Sammlung mit Klaviermusik auf den Markt gebracht. Lutz sagte, Ziel sei, bis 2006 durch solche Zusatzgeschäfte jährlich rund 50 Millionen Euro Umsatz zu erzielen. nr
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