"Süddeutsche": Internes Schreiben über Sparmaßnahmen wird öffentlich

Dienstag, 18. November 2008
Erhöht den Druck auf die "SZ": Richard Rebmann, Chef der Südwestdeutschen Medien Holding
Erhöht den Druck auf die "SZ": Richard Rebmann, Chef der Südwestdeutschen Medien Holding

Normalerweise gibt sich die Südwestdeutsche Medien Holding gegenüber der Öffentlichkeit verschlossen. Nun gleitet ihr die interne Informationspolitik zunehmend aus den Händen. Immer mehr Details über die Sparpläne des Aushängeschilds „Süddeutsche Zeitung" (SZ) sickerten in den vergangenen Tagen bereits durch und nun gelangt auch noch eine interne E-Mail eines „SZ"-Ressortleiters an seine Mitarbeiter an die Öffentlichkeit. Das Schreiben ist im Blog des „Handelsblatt"-Journalisten Thomas Knüwer anonymisiert einsehbar und auch "Die Welt" berichtete bereits darüber. In der Mail heißt es: „Der Stellenabbau ist unvermeidlich." Wie der Herausgeberrat laut des Autors entschieden hat, soll die Zahl der festen Mitarbeiter in „allen" Ressorts „deutlich" reduziert werden. Zur genauen Anzahl der Stellenstreichungen macht er indes keine Angaben.

Betriebsbedingte Kündigungen seien unausweichlich - „es sei denn, die Redaktion findet einen anderen Weg, um den Personalabbau zu organisieren". Daher wollen sich Chefredaktion und Ressortleiter in den kommenden Wochen mit Mitarbeitern zusammensetzen, um über eine freiwillige Auflösung ihrer Arbeitsvertrage zu sprechen. In diesen Fällen sollen Abfindungen gezahlt werden.

Zudem wird der Rotstift beim Honorar- und Reiseetat angesetzt. Die Einsparungen sollen sich hier auf 20 Prozent belaufen. „So werden wir sicher künftig erheblich weniger Texte von Fremdautoren drucken. Auf aufwendige Reisen werden wir häufiger verzichten", schreibt der anonyme Ressortleiter. Auch die Bildhonorare sollen einer genauen Prüfung unterzogen werden.

Trotz dieser harten Einschnitte gelte weiterhin das Ziel, „eine Zeitung mit sehr hoher Qualität zu produzieren". Wie dies mit einer ausgedünnten Mannschaft aber tatsächlich funktionieren soll, verrät er nicht.

Bereits im Rahmen der Medientage München hat Richard Rebmann, Geschäftsführer der „SZ"-Mutter Südwestdeutsche Medien Holding in Stuttgart, eine Senkung der Personalausgaben angekündigt, die in dem Unternehmen 50 Prozent der Kosten ausmachen. Damals klang seine Prognose allerdings noch harmlos zu den aktuellen Entwicklungen. Betriebsbedingte Kündigungen wies Rebmann weit von sich.

Offenbar hat er die Konsequenzen der Krise unterschätzt. „Tatsächlich haben sich die Zahlen des Anzeigengeschäfts, das 60 Prozent des Umsatzes der „SZ" bringt, von Woche zu Woche verschlechtert. Der Rückgang ist dramatisch", heißt es in dem internen Schreiben weiter. Die Ressortleiter seien angesichts der jüngsten Entwicklungen „in einem Ausmaß beunruhigt, wie wir dis bisher nicht waren". bn
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