"Stuttgarter Zeitung" gönnt sich Frischzellenkur

Freitag, 12. Juni 2009
Seit Januar 2008 Chefredakteur der "Stuttgarter Zeitung": Joachim Dorfs
Seit Januar 2008 Chefredakteur der "Stuttgarter Zeitung": Joachim Dorfs

Chefredakteur Joachim Dorfs, sein Redaktionsteam und die Berliner Agentur Kircher Burkhardt haben die "Stuttgarter Zeitung" (STZ) einem umfassenden Relaunch unterzogen. Das Blatt, das zur Südwestdeutschen Medien Holding (SWMH) gehört, erscheint in seiner überarbeiteten Version erstmals am 20. Juni. Dieser Schritt soll die "STZ" fit für die Zukunft machen. "Mit dem Relaunch wollen wir auch stärker jüngere Leser ansprechen. Langfristig soll sich so die Altersstruktur unserer Leserschaft verändern", sagt Dorfs. Bereits für die nächsten Monate erhofft sich Bernhard H. Reese, Geschäftsführer der Stuttgarter Zeitung Werbevermarktung, mehrere Tausend Probeabonnenten und einen Zuwachs im Einzelverkauf. Derzeit verfügen "STZ" und "SN", die von der IVW gemeinsam ausgewiesen werden, über rund 190000 Abonnenten und eine verkaufte Auflage von 215000 Exemplaren.

Das auffälligste Ergebnis der Verjüngungskur ist ein farbiges Foto auf Seite 1. Insgesamt soll die Zeitung aber nicht bunter werden. Statt die Seiten mit Symbolbildern zu illustrieren, soll sich die "STZ" auf wenige aussagekräftige Fotos und Grafiken beschränken. Inhaltlich will Dorfs die Stärken des Mediums deutlicher herausarbeiten, um sich so der Konkurrenz des Internets besser stellen zu können: "Statt der puren Nachricht müssen Zeitungen mehr Einordnung liefern." Ein Beispiel hierfür ist auf Seite 2 die Rubrik Tagesthema. Hier will die "STZ" mit einem großen Hintergrundstück in jeder Ausgabe einen Schwerpunkt setzen. Die Gerüchte, dass die "STZ" in Zukunft wesentliche Teile von der großen Schwester "Süddeutsche Zeitung" übernimmt, dementiert Dorfs. Eine Kooperation kann er sich zwar durchaus vorstellen, "aber nicht, wenn es um blattprägende Teile geht". Chancen für eine Zusammenarbeit sieht er zum Beispiel bei den Auslandskorrespondenten oder beim Internetauftritt.

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Der Anspruch bestand zudem darin, künftig die Orientierung im Blatt zu erleichtern. Als Wegweiser wurde daher unter anderem ein ausführliches Inhaltsverzeichnis auf Seite 2 eingeführt. Mehrere Teaser auf Seite 1 sollen ein Sprungbrett ins Blatt bieten. Die Ressortstruktur bleibt weitgehend erhalten. Neu ist lediglich das Ressort Entdecker, das Themen wie Wissen, Medizin, Verbraucherfragen und Computer, die früher auf einzelnen Seiten im Blatt verstreut waren, bündelt. Die Rubrik Aus aller Welt, die laut Marktforschung vor allem junge Leser anspricht, wurde auf zwei Seiten ausgebaut und ist weiter nach vorne gewandert. Stattdessen entfällt die Seite Junge Szene.

Parallel zum Printrelaunch schafft sich die "STZ" eine eigene Identität im Netz. Bislang hatte sie mit dem Schwestertitel "Stuttgarter Nachrichten" (SN) einen gemeinsamen Internetauftritt, der von dem SWMH-Dienstleister Stuttgart Internet Regional bestückt wurde. Nun soll eine eigens hierfür gegründete vierköpfige Onlineredaktion die Site Stuttgarter-Zeitung.de unabhängig gestalten. Um Themen multimedial spielen zu können, hat Dorfs vor wenigen Wochen einen Newsroom eingeführt.

Begleitet wird der Relaunch des Blattes und Internetauftritts von einer medienübergreifenden Kampagne (Kreation: inhouse), deren Budget im hohen sechsstelligen Bereich liegt. Zudem hat die Redaktion einen Countdown gestartet. Bis zum 20. Juni wird in jeder "STZ"-Ausgabe ein neues Element des Blattes erklärt. bn
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