Studie: Zuschauer tauschen sich beim Fernsehen vermehrt über soziale Medien aus

Donnerstag, 08. September 2011
Vor allem junge Zuschauer sehen gern gemeinsam fern (Foto: Franz Pfluegl/Fotolia)
Vor allem junge Zuschauer sehen gern gemeinsam fern (Foto: Franz Pfluegl/Fotolia)


Soziale Netzwerke sind in aller Munde. Doch wenn man den Betreibern von TV-Sendern Glauben schenkt, ist Fernsehen das wahre Social Media. Die Interaktion mit Freunden und anderen Zuschauern ist vor allem für junge Nutzer ein wichtiger Teil des TV-Erlebnisses. Dabei wird die gleichzeitige Nutzung mehrer Medien für junge Menschen immer mehr zur Normalität. Das geht aus einer Studie von MTV Networks Deutschland hervor.
Vor allem für Zuschauer, die jünger sind als 25 Jahre, sehen gerne gemeinsam mit anderen fern und tauschen sich über Sendungen aus: 64 Prozent der 14- bis 19-Jährigen gaben an, dass  es Sendungen gibt, die ihr ganzer Freundeskreis schaut und über die sie sich austauschen. Bei den Zuschauern von 20 bis 24 Jahren stimmten 61 Prozent dieser Aussage zu. Zum Vergleich: Insgesamt lag der Anteil in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen bei 46 Prozent.

Über die Hälfte der werberelevanten Zuschauer von 14 bis 49 schauen zudem bestimmte Sendungen am liebsten gemeinsam mit Freunden oder Familie an. Auch hier liegen die Zuschauer von 14 bis 24 Jahren mit einem Anteil von über 60 Prozent vorn. Vor allem bei Spielfilme (87 Prozent), Serien (67 Prozent) und Sportsendungen (61 Prozent) sitzen viele Zuschauer am liebsten gemeinsam vor dem Fernsehschirm.

Auch während des Fernsehens tauschen sich junge Zuschauer gerne aus: So nutzen insgesamt 71 Prozent der Zuschauer von 14 bis 49 Jahren zeitgleich mit dem TV-Konsum regelmäßig Chats oder soziale Medien. Auch hier haben die jungen Zuschauer unter 30 Jahren die Nase vor. Sie nutzen mehrheitlich sogar verschiedene Endgeräte wie den Computer und mobile Geräte wie ihr Handy oder das iPad, um sich über soziale Netzwerke oder Chats mit Freunden auszutauschen.

"Das Phänomen ist nicht nur auf Jugendliche beschränkt, aber bei den jungen Zuschauern am stärksten ausgeprägt", erklärt Dóra Heinkel, Manager Commercial Insights & Research bei MTV Networks. "Wir haben generell eine Zunahme der parallelen Mediennutzung feststellen können", ergänzt Tobias Dettling, Vice President Sales Management & Strategy: "Das hängt zum Teil sicherlich mit dem Alter zusammen, aber grundsätzlich nimmt die parallele Mediennutzung über alle Altergruppen hinweg zu." Ob sich dadurch das Mediennutzungsverhalten verändert, wollen die Forscher mit weiteren Befragungswellen kontinuierlich beobachten. 

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Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie die Erkenntnisse der Studie schon jetzt in die Programmgestaltung bei MTV Networks einfließt

Dóra Heinkel und Tobias Dettling
Dóra Heinkel und Tobias Dettling

Schon jetzt fließen die Erkenntnisse aus der TV-Forschung bei MTV Networks in die Gestaltung der Programmangebote und die Vermarktung mit ein: "Es ist wichtig, dass wir den Zuschauern ein multimediales Angebot zur Verfügung stellen, damit er sich auch im Internet mit der Fernsehserie beschäftigen kann", erklärt Dettling. "Auf den digitalen Plattformen wie Facebook findet eine intensive Auseinandersetzung mit unseren Marken und Inhalten statt. Das wollen wir natürlich nutzen und stimmen unser Angebot entsprechend darauf ab", ergänzt Heinkel.

Das Involvement der Zuschauer kommt dabei auch der Vermarktung zugute: "Wir schaffen auch in der Vermarktung entsprechende Integrationsmöglichkeiten für unsere Werbekunden", sagt Dettling. "Bei unserem Spielemagazin 'Game One' auf Viva oder 'Haus Anubis' bei Nickelodeon können Werbekunden zum Beispiel hervorragend integriert werden".

Auch für den direkten Austausch mit den Zuschauern nutzt MTV Networks soziale Netzwerke. Ein Redakteur kümmert sich ausschließlich um die Kommunikation mit den Usern und Fans auf Facebook & Co. Auch in den Redaktionssitzungen wird das Feedback der Zuschauer regelmäßig thematisiert und entsprechend berücksichtigt. 

In den kommenden Jahren wollen Heinkel und Dettling das Mediennutzungsverhalten ihrer Zielgruppe mit regelmäßigen Erhebungen genau im Auge behalten. Die Erkenntnisse sollen in Zukunft dann auch in die Entwicklung neuer Formate einfließen: "Wir wollen verstehen, wann und in welcher Stimmung welche Endgeräte genutzt werden, um entsprechende Inhalte für die jeweilige Nutzungssituation zu entwickeln", sagt Heinkel. Damit das Fernsehen auch in Zukunft das wahre Social Media bleibt. dh

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