Studie: Print schneidet besser ab, als Verlagsexperten glauben

Mittwoch, 22. August 2012
Lutz Glandt, Deutsche Post, sieht auch weiterhin Marktchancen für Print
Lutz Glandt, Deutsche Post, sieht auch weiterhin Marktchancen für Print

Spontaneität, Kurzfristigkeit, immer differenziertere und jederzeit verfügbare Online- und Offline-Angebote: Die großen Trends der Medienbranche scheinen zugleich die natürlichen Feinde eines für Verlage immens wichtigen Geschäftsmodells zu sein - des Abonnements. Doch die Zukunft der besonderen Leser-Blatt-Bindung ist bei weitem nicht so düster wie Verlagsexperten befürchten, wie eine Studie der Deutschen Post zur „Zukunft des Abonnements" zeigt. Betrachtet doch die Bevölkerung die Zukunft der Zeitschriften und der Printabos weit weniger pessimistisch als die meisten Führungskräfte in den Verlagen. Von letzteren glauben 88 Prozent, dass Frauen und Männer in den nächsten fünf bis zehn Jahren seltener gedruckte Zeitschriften lesen - bei den Kunden sind es „nur" 25 Prozent. Ganz ähnlich die Ergebnisse beim Abo-Verhalten. 51 Prozent der befragten Kunden glauben, dass sie in fünf bis zehn Jahren regelmäßig etwa gleich viele Zeitschriften beziehen wie derzeit. Der Rückgang bei den Abozahlen dürfte entsprechend weniger dramatisch ausfallen als befürchtet. Zum Vergleich: Die Experten sehen im selben Zeitraum nur noch 9 Prozent der Bevölkerung mit einem Abo.

Offensichtlich überschätzen viele Führungskräfte momentan auch die Relevanz der digitalen Zusatzangebote. Nur 10 Prozent der Bevölkerung haben in der Vergangenheit E-Paper oder kostenlose Apps von Zeitschriften genutzt. Sobald Kosten dafür anfallen, bewegen sich die Nutzerzahlen sogar im niedrig einstelligen Prozentbereich. Bei den Abos gestaltet sich die Lage ähnlich: Sowohl die Mehrheit der Tablet-Nutzer als auch der anderen Befragten denken, dass ein digitales Abonnement mit dem gleichen Inhalt wie die gedruckte Ausgabe deutlich weniger kosten soll. Im Rahmen bestehender Printabos sollen die digitalen Versionen am besten ganz kostenlos sein. Dieser Meinung sind 84 Prozent der Befragten, unabhängig, ob Tablet-Nutzer oder nicht. "Wir sehen immer noch Marktchancen für Print. Es wäre ein großer Fehler, jetzt nur noch auf digitale Paid-Content-Modelle zu setzen und das klassische Geschäft zu vernachlässigen", sagt Lutz Glandt, Mitglied Bereichsvorstand Brief bei der Deutschen Post.

Der Wunsch nach einer flexibleren Gestaltung des Abonnements ist sowohl bei Abonnenten als auch bei Nicht-Abonnenten ausgeprägt: 80 Prozent finden es sehr wichtig, ein Abo kurzfristig kündigen zu können, 51 Prozent schätzen die Möglichkeit, die Zustellung eine Zeit lang zu unterbrechen. kl
Meist gelesen
stats