Studie: Deutschland hat Nachholbedarf im E-Government

Freitag, 27. April 2001

Deutschlands Stadtverwaltungen haben ihr volles Online-Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie "Anspruch und Wirklichkeit: E-Government in Deutschland" der Unternehmensberatung Accenture. Das Unternehmen analysierte die Webangebote von 14 bedeutenden deutschen Bevölkerungszentren mit dem Fokus auf Dienstleistungen für die Bürger und die Privatwirtschaft. Spitzenreiter des Rankings ist Bremen, Magdeburg bildet das Schlusslicht.

Nach Ansicht von Holger Bill, Partner bei Accenture, sind alle Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltungen im Netz noch ausbaufähig. Ein Großteil der untersuchten Städte beschränke sich lediglich auf die Veröffentlichung von Informationen. Nur in Einzelfällen würden darüber hinaus interaktive Online-Dienste geboten. Auch grundlegende Neuerungen wie beispielsweise strenger Datenschutz und die digitale Signatur werden den Angaben zufolge nur langsam adaptiert.

Wie eine zweite Accenture-Studie zur Entwicklung des E-Government in 22 Ländern belegt, bewegt sich Deutschland im internationalen Vergleich im Mittelfeld. Obwohl überall Fortschritte gemacht worden seien, erreiche kein Land den Level, der in der Privatwirtschaft bereits Normalität sei. Selbst die progressivsten Länder schöpften noch nicht einmal die Hälfte ihres Internet-Potenzials aus, so die Marktforscher. Laut Studie existieren keine Portale oder Websites, die Angebote verschiedener staatlicher Einrichtungen nach den Interessengebieten von Bürgern oder Unternehmen bündeln.

Nach Angaben von Accenture können Bürger nur in seltenen Fällen mit dem Staat via Internet interagieren. Globaler Spitzenreiter der internationalen Studie ist Kanada, gefolgt von Singapur und den USA. Deutschland fällt in die Gruppe "Nachrücker", zu der auch Neuseeland, Hongkong, Frankreich, Spanien, Irland, Portugal und Belgien gehören.
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