Ströer: Leichtes Minus im Geschäftsjahr 2008

Donnerstag, 18. Juni 2009
Ströer-Chef Udo Müller
Ströer-Chef Udo Müller

Der Außenwerbekonzern Ströer, Köln, musste bei Umsatz und Ergebnis im vergangenen Jahr Einbußen hinnehmen. Insgesamt sank 2008 der Konzernumsatz um 3 Prozent auf 493 Millionen Euro. Das operative Ebitda verringerte sich um rund 13 Prozent auf 103 Millionen Euro. Nach Segmenten aufgeschlüsselt heißt das: In der größten Produktgruppe Poster sank der Umsatz um 3,5 Prozent. Das europäische Riesenpostergeschäft ging sogar um 29,4 Prozent zurück. In der Produktgruppe Transport konnte Ströer hingegen den Umsatz um 8,2 Prozent steigern.

Während das Inlandsgeschäft von Ströer Media Deutschland leicht zurückging (minus 4,2 Prozent) konnte das Außenwerbeunternehmen seine Umsätze in Polen (plus 23 Prozent) und in der Türkei (plus 16,3 Prozent) steigern. Den stärksten Ergebnisbeitrag lieferte Ströer Polen mit einer Steigerung des operativen Ebitda um 21,7 Prozent.

Die Investitionen stiegen 2008 trotz Werbekrise um 46 Prozent auf 62,2 Millionen Euro. Rund die Hälfte davon floß in Deutschland in die Ausstattung von Städten wie zum Beispiel Hamburg mit neuen Werbeträgern. se

Ströer-Vorstandsvorsitzender Udo Müller im HORIZONT.NET-Interview



Der Umsatz ging 2008 um 3 Prozent gegenüber 2007 zurück, das Ebitda um knapp 13 Prozent. Wie bewerten Sie diese Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr? Ganz klar als Erfolg. Wir haben hart gearbeitet und der Werbekrise weitgehend getrotzt. Der Ergebnisrückgang ist auf wachstumsbedingte Einmalkosten und negative Währungseffekte im Ausland sowie die Volatilität unseres Riesenpostergeschäfts zurückzuführen. Jetzt setzen wir alles dran, in einem noch schwierigeren Marktumfeld 2009 das Ergebnis zu verbessern.

Das Riesenpostergeschäft ist mit minus 29 Prozent deutlich eingebrochen. Woran liegt das und welche Konsequenzen ziehen Sie daraus? Riesenposter werden häufig als Add-on gebucht und verschwinden in Krisenzeiten mit als erstes aus den Mediaplänen. Hinzu kam die besonders schwierige Situation im englischen Werbemarkt, wo blowUP media als Marktführer auch besonders stark betroffen war. Als Gegenmaßnahme haben wir das Riesenpostergeschäft in allen Bereichen inklusive Standorteinkauf kostenseitig optimiert.

Gut dagegen lief das Geschäft in Polen und der Türkei. Worauf ist das zurückzuführen? Im Ausland haben wir in den Jahren 2007 und 2008 massiv in  den Ausbau unserer Netze und in innovative Werbeträger investiert. In Polen ist es uns gelungen, die Auslastung weiter zu verbessern. In der Türkei haben wir unser Portfolio insbesondere in Istanbul und Ankara deutlich erweitert. Beide Auslandsmärkte wurden erst vor kurzem konsolidiert, insofern besteht hier noch großes Potenzial.

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Sie haben sich 2008 ein Kostensparprogramm auferlegt. An welchen Stellen wurde gespart, und wie hat sich das in der 1. Jahreshälfte 2009 bemerkbar gemacht? Aufgrund der starken Expansion der letzten Jahre gab es naturgemäß viele Ansatzpunkte, Kosten einzusparen. Wir haben alle Kostenpositionen durchleuchtet und sehr schnell kurzfristige Effekte realisieren können.  Der Erfolg dieser Maßnahmen wird bereits im Ergebnis sichtbar: In den ersten vier Monaten konnten wir das operative EBITDA um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern.

 
Welche Erwartungen haben Sie, speziell für das Geschäft in Deutschland, an die 2. Jahreshälfte 2009? Für das Gesamtjahr erwarten wir eine Stabilisierung der Umsatzentwicklung leicht unter Vorjahresniveau und eine Ergebnisverbesserung. In Deutschland merken wir, dass die Mediaentscheider beginnen, umzudenken. Der Rückzug von EPlus aus der TV-Werbung und die Hinwendung zur Außenwerbung ist ein Beispiel der jüngsten Zeit. Daran zeigt sich eine Stärke unseres Mediums, die vor allem in der Krise nachgefragt wird, wenn es darum geht, die Werbegelder fokussiert einzusetzen. Außenwerbung hat zum einen als aktivierendes Medium einen starken Pusheffekt. Zum anderen können Werbungtreibende durch die regionale und lokale Aussteuerbarkeit von Plakaten ihre Mediastrategie an ihre eigene Marktposition in den verschiedenen Städten anpassen. Nur mit Außenwerbung ist eine solche straßenabschnittsgenaue Feinjustierung des Werbedrucks kongruent zur Marktposition möglich. Insgesamt ist durch die Krise die Offenheit der Entscheider, den Mediamix zu ändern, größer als sonst. Das ist eine Chance, die wir nutzen wollen. Interview. se
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