Streit zwischen RTL 2 und Vermarkter IP eskaliert

Mittwoch, 21. August 2002
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Ein handfester Familienkrach tobt im Haus der RTL Group. Wieder einmal ist der unbequeme RTL-2-Chef Josef Andorfer der Bad Guy. Sein Sender, so lancierte Andorfer im Vorfeld der Telemesse, habe mit dem RTL-Vermarkter IP einen im deutschen Markt einmaligen Vertrag ausgehandelt.

Gegenüber HORIZONT macht der RTL-2-Chef folgende Rechnung auf: Im vergangenen Jahr seien netto 236 Millionen Euro an RTL 2 geflossen. Der neue Vertrag garantiere bei gleichem Marktanteil (5,7 Prozent) jährlich die gleiche Summe - egal wie sich der Markt entwickelt. Da der Sender derzeit sogar bei 5,8 Prozent liegt, geht er von rund 250 Millionen Euro aus.

"Herr Andorfer kennt seine Verträge nicht", wettert IP-Chef Walter Neuhauser. Es sei lediglich ein "Umsatzkorridor definiert" worden. Andorfers Zahlenspiel sei eine "Traumvorstellung". Der Vertrag ist erst kürzlich nach langwierigen Verhandlungen bis Ende 2003 verlängert worden. Doch Andorfer macht keinen Hehl daraus, dass er RTL 2 wie auch den geplanten Telenovelas-Kanal Victoria am liebsten selbst vermarkten will. "Wir können mehr Erlöse herausholen als die IP", behauptet er.

Der Kölner Vermarkter verkaufe RTL 2 "ohne Herzblut". Die Vermarktung von Victoria musste er vertragsgemäß dennoch zuerst der IP anbieten. Im Oktober wollen die Kölner über das Mandat entscheiden. Andorfer lässt sich derweil von Ex-MGM-Chef Michael Wölfle beim Aufbau eigener Infrastrukturen für den Verkauf beraten.
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