Streit zwischen Kirch Media und Springer eskaliert

Mittwoch, 26. Juni 2002

Auf der Hauptversammlung des Axel-Springer-Verlags hat Kirch-Berater und Sozius der Kanzlei Nörr, Stiefenhofer, Lutz, Ronald Frohne, Schadenersatzansprüche gegen alle gegenwärtigen Mitglieder des Vorstands und Mehrheitsaktionärin Friede Springer angekündigt. Als Vertreter der Print Beteiligungs GmbH kündigte Frohne des weiteren eine Sonderprüfung der Geschäftsführung des Vorstandes im Zusammenhang mit den Verhandlungen zwischen ASV und Kirch-Gruppe an.

Er warf dem Vorstand vor, nur im Interesse der Mehrheitsaktionärin Friede Springer und nicht des Unternehmens zu handeln. Hintergrund ist die Put-Option, die die Kirch-Gruppe dem Verlag im August 2000 für die Pro-Sieben-Sat-1-Anteile in Höhe von rund 767 Millionen Euro eingeräumt hatte. Die Option sei inzwischen wertlos. Dem Springer-Verlag drohe der Totalverlust seiner Forderungen.

Laut Frohne bemühte sich die Kirch-Gruppe seit Spätsommer 2001, die "wackelige Put-Option" durch ein klares Vertragswerk zu ersetzen. Im Zuge dieser Verhandlungen sei dem Verlag angeboten worden, seinen Anteil an Pro Sieben Sat 1 Media von 11,5 auf 28 Prozent aufzustocken. Dies sei mehr als Springer-Vorstandchef Mathias Döpfner laut "Stern"-Interview anstrebe. Dort sprach er von 25,1 Prozent. Laut Frohne sollte damals für die zusätzlichen 16,5 Prozent einen Preis von maximal 210,5 Millionen Euro bezahlt werden. So billig sei dies heute nicht mehr zu haben. Springer hätte bereits nach dem bloßen Börsenwert einen Buchgewinn von 100 Millionen Euro erzielt, wenn man damals zugegriffen hätte.

Döpfner hatte zuvor zum weiteren TV-Geschäft gesagt, man wolle sich entweder von den 11,5 Prozent trennen und den Erlös ins Kerngeschäft stecken oder die "nichtstrategischen eine strategische Beteiligung" überführen. Das werde sich in den nächsten Monaten entscheiden. Der Vorstandsvorsitzende kündigte zugleich an, Der Verlag werde im ersten Halbjahr wieder ein positives operatives Ergebnis und einen Jahresüberschuss erzielen. Das konkrete Halbjahresergebnis werde am 28. August bekanntgegeben.
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