Streit um Umsatzbeteiligung: Apple erhöht die Hürde für Verlage

Mittwoch, 02. Februar 2011
Der Kampf um die App-Millionen geht weiter
Der Kampf um die App-Millionen geht weiter

Apple geht in der Debatte um kostenpflichtige Apps zunehmend auf Konfrontationskurs zu Verlagen und anderen Inhalte-Anbietern. Jüngstes Opfer ist Sony. Apple hat der E-Reader-App des japanischen Elektronikriesen kurzerhand die Zulassung für den App-Store verweigert. Mit der Anwendung wollte Sony Verbrauchern ermöglichen, E-Books im Sony-Reader-Store zu erwerben und auf Apple-Geräten wie dem iPad und dem iPhone zu lesen. Grund für die Blockade ist, dass Sony Bücher nicht über den App-Store des kalifornischen Computerkonzerns, sondern direkt an die Kunden verkaufen wollte, um auf diese Weise den gesamten Umsatz einstreichen zu können. Bei Verkäufen über den App-Store behält Apple generell 30 Prozent des Umsatzes ein. Einige Anbieter wie Amazon und aktuell Sony versuchen diese Zwangsabgabe zu umgehen, indem sie den App-User für den Kauf auf den Mobil-Browser Safari umleiten, wo dann Bestellung und Bezahlung abgeschlossen werden. Die dort erworbenen Inhalte können die User dann anschließend in der App herunterladen.

Kommentar von Chefredakteur Volker Schütz

Apple erpresst die Verlage - und schneidet sich ins eigene Fleisch

Wer den ersten Teil von Francis Ford Coppolas „Der Pate" gesehen hat, weiß, was es mit einem Angebot, das man nicht ablehnen kann, auf sich hat. Derzeit unterbreitet Appleauch den deutschen Medien ein Angebot, das sie - wie der arme Filmproduzent im „Paten" - kaum ablehnen können. weiterlesen

Gegen diese Praxis geht Apple nun vor. Laut einem Bericht der "New York Times" hat Apple Sony mitgeteilt, dass künftig alle In-App-Käufe - also beispielsweise der Erwerb eines bestimmten Buches in der E-Reader-App von Sony - über Apple abgewickelt werden müssen. Dies ist in den App-Store-Richtlinien zwar schon länger so geregelt. Apple hatte aber bislang darauf verzichtet, dies auch konsequent durchzusetzen und alternative Modelle toleriert.

Inzwischen verdichten sich die Anzeichen, dass Apple den Inhalteanbietern wenigstens ein Hintertürchen offenlässt. In einem offiziellen Statement zur aktuellen Bücherproblematik lässt der Konzern wissen, dass Apps, mit denen Nutzer Bücher außerhalb des Programmes kaufen können, die gleiche Option "auch" in Form von In-App-Einkäufen für die Kunden bereithalten müssen. Damit könnten Verlage und andere Anbieter also weiterhin browserbasierte Shop-Lösungen anbieten, wenn sie die Inhalte gleichzeitig über den App-Store verfügbar machen. Völlig offen ist die Frage, inwieweit Verlage dann versuchen können oder dürfen, durch günstigere Copy- und Abopreise für in Eigenregie vertriebene Inhalte die Nutzer in den eigenen Shops zu halten - schließlich sparen die Medienhäuser so ja nicht nur die Provision für Apple, sondern behalten auch Kundenkontakt und -daten.

Die Diskussionen zwischen den Verlagen und Apple dürften sowieso noch lange weitergehen. Das zeigt auch der Zwist zwischen dem Konzern und den belgischen und niederländischen Verlegern. Diese dürfen ab April nach eigenen Angaben ihren zahlenden Printabonnenten keine digitalen Freiabos mehr über ihre Apps anbieten.

Die Wogen glätten könnte eine bislang noch nicht bestätigte Initiative, mit der Apple den Verlagen den Vertrieb über den App-Store schmackhaft machen will. Dem Vernehmen nach denkt Apple über ein neues Abrechnungsmodell nach, das den Abschluss von längerfristigen Abonnements direkt über iTunes ermöglicht. Bislang sind solche Monats- oder Jahresabos nicht möglich. Der Startschuss könnte schon heute fallen, wenn Medienmogul Rupert Murdoch gemeinsam mit Apple seine exklusive iPad-Zeitung The Daily vorstellt. Dem Vernehmen nach sollen bei der Präsentation auch neue Bezahlmodelle vorgestellt werden. mas
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