Stinkefinger-Prozess: Griechisches Gericht spricht Helmut Markwort frei

Mittwoch, 04. April 2012
Das Corpus Delicti
Das Corpus Delicti

Ende einer Medienaffäre: Ein griechisches Gericht hat sechs Journalisten des "Focus", darunter auch Herausgeber Helmut Markwort vom Vorwurf der Beleidigung freigesprochen. Das Magazin hatte im Februar 2010 auf der Titelseite die Venus von Milo mit ausgestrecktem Mittelfinger abgebildet. Sechs griechische Anwälte hatten Markwort und die beteiligten Journalisten daraufhin wegen Verleumdung, übler Nachrede und Verunglimpfung griechischer Staatssymbole verklagt. Nach Ansicht des Gerichts ist die Fotomontage aber nicht als Beleidigung Griechenlands zu werten. In dem Artikel wurde vor allem über die Verfehlungen griechischer Politiker berichtet, die jahrelang absichtlich falsche Daten an die Europäische Union gemeldet hatten.

"Alles andere als ein Freispruch wäre höchst verwunderlich gewesen", sagt Focus-Pressesprecher Jonas Grashey zu dem Richterspruch: "Das ist ein Erfolg für die Pressefreiheit, wobei wir gerne darauf verzichtet hätten, ihn erringen zu müssen - denn die Anklage war in unseren Augen eine Farce." Auch der Focus-Anwalt Vassilis Karkazis zeigte sich erleichtert: "Ein anderes Urteil hätte den Rechtsstaat Griechenland um Jahre zurückgeworfen."

Die Titelgeschichte mit der Headline "2000 Jahre Niedergang" hatte in Griechenland für öffentliche Empörung und sogar kurzzeitig für diplomatische Verstimmungen gesorgt: In Athen wurde der deutsche Botschafter ins Außenministerium einbestellt. dh
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