Stimmen zur "FR"-Übernahme: Von Unabhängigkeit, Tradition und Verantwortung

Donnerstag, 28. Februar 2013
Die "Frankfurter Rundschau" berichtet Online "in eigener Sache"
Die "Frankfurter Rundschau" berichtet Online "in eigener Sache"

Ihr Interesse an der "Frankfurter Rundschau" (FR) hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) nach dem Bekanntwerden der Insolvenz der Traditionszeitung schnell bekundet, wenn auch nicht sofort offiziell. Heute, am letzten Tag der vom Gläubigerausschuss gewährten zweiten "Gnadenfrist", hat die "FAZ" mit der Unterzeichnung des Kaufvertrages die Verhandlungen mit Insolvenzverwalter Frank Schmitt abgeschlossen. Die ersten Reaktionen sind zurückhaltend, aber meist positiv - trotz des gravierenden Personalabbaus.

"Frankfurter Rundschau"

Die Meldung "in eigener Sache" steht auf Seite 4. In den von den Nachrichtenagenturen epd und dpa gelieferten Zeilen berichtet die "FR" über die Zustimmung des Kartellamtes zum Verkauf an die "FAZ"; auf der Website Fr-online.de "dokumentiert" die Redaktion die Pressemitteilung der Käuferin. Chefredakteur Arnd Festerling wird sich wohl erst heute in einer Pressekonferenz offiziell äußern.

"Frankfurter Allgemeine Zeitung"

"Das Ende der ,Frankfurter Rundschau' ist abgewendet." Mit diesem Satz auf Seite 1 beschreibt die "FAZ", die die "Rundschau" gemeinsam mit dem Schwesterunternehmen Frankfurter Societät übernimmt, die Zustimmung des Bundeskartellamtes. In der "Rhein-Main-Zeitung", dem Frankfurter Lokalteil der "FAZ", zitiert das Blatt unter anderem dem Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, der die Fortführung als publizistische Chance bezeichnete, die mit einem Neuanfang verbunden sein könne. Axel Wintermeyer (CDU), Leiter der hessischen Staatskanzlei, und SPD-Landesvorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel bedauern den Verlust der vielen Arbeitsplätze, würdigten aber zugleich den Erhalt der Meinungsvielfalt.

Mediengruppe M. DuMont Schauberg (MDS)

Die bisherigen Gesellschaft der "FR", MDS und die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG) begrüßen auf ihrer Homepage die Entscheidung des Kartellamtes von Mittwoch. Die Stimme der "Rundschau" könne so dauerhaft erhalten bleiben. Ein harter Schlag sei allerdings, dass es im Insolvenzverfahren nicht gelungen ist, einen Arbeitsplatzabbau in dem sich jetzt abzeichnenden Ausmaß abzuwenden. "Die ehemaligen Gesellschafter zollen jedem Einzelnen Respekt - nicht nur für die Arbeit in den letzten Jahren, sondern vor allem auch dafür, dass die Belegschaft trotz des hohen Maßes an Unsicherheit in den letzten Monaten täglich hervorragende Arbeit geleistet hat." Weiterhin appellieren MDS und DDVG an den Verlag Axel Springer: Er solle sich an den neuen Druckstandorten in Frankfurt dafür einzusetzen, dass möglichst viele der erfahrenen "FR"-Drucker eine neue Perspektive erhalten. Springer hatte während des Insolvenzverfahrens seinen seit mehr als 30 Jahren bestehenden Vertrag mit der Druckerei der "FR" in Neu-Isenburg gekündigt.

"Frankfurter Neue Presse" (FNP)

"Unabhängigkeit und Tradition" titelt die "FNP", die - wie mittlerweile auch die "FR" - zur Frankfurter Societät gehört, anlässlich der Entscheidung des Bundeskartellamtes auf ihrer Homepage. Beides soll Fortbestand haben in der neu gegründeten unabhängigen Verlagsgesellschaft.

Deutscher Journalisten-Verband (DJV)

DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken
DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken
„Es ist gut, dass es den Traditionstitel ,Frankfurter Rundschau' weiter geben wird“, sagt DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Allerdings appellierte er an die Geschäftsführung der "FAZ", so viele redaktionelle Arbeitsplätze wie möglich zu sichern. Tagesaktueller Qualitätsjournalismus erfordere eine ausreichende Anzahl an Journalisten. Nicht vergessen dürfe man auch, dass die berufliche Zukunft von zahlreichen ehemaligen Beschäftigten ungewiss sei. Hier nimmt Konken die beiden früheren Eigentümer M. DuMont Schauberg und DDVG in die Verantwortung: „Die Transfergesellschaft muss für einen längeren Zeitraum als nur sechs Monate angelegt werden, das sind die ehemaligen Eigentümer den Mitarbeitern schuldig.“ kl
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