Stellenstreichung? DuMont plant Reporterfirma

Freitag, 29. Januar 2010
Brigitte Fehrle soll die Reporterfirma leiten
Brigitte Fehrle soll die Reporterfirma leiten

Der offene Brief der Redakteure der "Berliner Zeitung" vom 12. Januar an ihre Verlagsleitung hat offenbar nichts gebracht. Die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg (MDS) will Branchengerüchten zufolge bis Mai eine Reporterfirma gründen, in der die Politik- und Wirtschaftsberichterstattung der Abonnementzeitungen ("Berliner Zeitung", "Frankfurter Rundschau", "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Mitteldeutsche Zeitung") gebündelt wird. Die zentrale Redaktionsgesellschaft soll Standorte in Berlin und Frankfurt unterhalten. Als Chefin wird Brigitte Fehrle, stellvertretende Chefredakteurin der "Berliner Zeitung", gehandelt. Ihr Stellvertreter soll Robert von Heusinger, Wirtschaftschef der "Frankfurter Rundschau", werden. Wieviele Stellen durch die Firmengründung wegfallen, ist unklar. Aus Gewerkschaftskreisen ist zu hören, dass die Zentralredaktion 25 Stellen umfassen soll, auf die sich Redakteure aus der Zeitungsgruppe bewerben sollen. Damit nicht genug: wie Verdi mitteilt, ist auch eine Zentralisierung von Verlagsbereichen wie Anzeigensatz, Blattplanung und IT in Köln und Halle geplant.

Matthias von Fintel, Tarifsekretär Medien bei Verdi, prüft derzeit mögliche Schritte gegen die Sparmaßnahmen. "Mit dem Weg der Ausgliederung wird gegen das Redaktionsstatut der "Berliner Zeitung" verstoßen, nach dem der Titel als Vollredaktion über eigene überregionale Ressorts verfügt", begründet der Gewerkschaftsvertreter. Zudem verbiete der Haustarifvertrag für die "Frankfurter Rundschau" solche Ausgliederungen. Von Fintel sieht eine massive Gefährdung der publizistischen Vielfalt, denn die Zentralredaktion bedeute einen "erheblichen Identitätsverlust" für die Redaktionen in Berlin und Frankfurt.

Noch gibt es keine offizielle Stellungnahme des Verlags. Auf Anfrage von HORIZONT.NET bestätigte eine Pressesprecherin aber zumindest, dass heute gegen 18 Uhr eine Unternehmensmitteilung herausgegeben wird. Chefredakteur Uwe Vorkötter ist bisher nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Fakt ist, dass MDS einen harten Sparkurs fährt. Im Dezember hat der Berliner Verlag, den MDS zu Beginn des Jahres von der britischen Mecom-Gruppe übernommen hatte, allen Mitarbeitern ein Abfindungsangebot unterbreitet, wenn sie bereit sind, das Unternehmen zu verlassen. Zudem wurde die Netzeitung zum automatisierten Nachrichtenportal umgewandelt. Die rund zwölf Mitarbeiter wurden entlassen.

Darüber hinaus gabe es in der Printredaktion der "Berliner Zeitung" und des Schwestertitels "Frankfurter Rundschau" bereits erste Umstrukturierungen. Während das Frankfurter Team für beide Titel die Wissenschaftsseiten produziert, kümmert sich die Berliner Redaktion um die Medienthemen. Auch eine Bündelung der Politik- und Wirtschaftsberichterstattung wurde bereits beschlossen. Allerdings sollte dies nur für die Redaktionen in Frankfurt und Berlin gelten. Dass auch die Standorte Köln und Halle einbezogen werden - wie jetzt bekannt wurde - haben Experten zwar erwartet, aber bisher hat dies MDS immer dementiert. bn/jm
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