Stellenmärkte: "FAZ"-Manager Andreas Formen erwartet leichte Erholung

Donnerstag, 19. März 2009
Die "FAZ" trifft es besonders hart
Die "FAZ" trifft es besonders hart

Angesichts der Wirtschaftskrise schrumpfen die Einnahmen von Tageszeitungen aus den Stellenmärkten massiv. Im Januar und Februar hat sich der Umfang der Jobanzeigen in überregionalen Blättern gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast um die Hälfte reduziert. Zu diesem Ergebnis kommt der Mediadienstleister S+H Medien Statistik in seiner Erhebung, die HORIZONT.NET exklusiv vorliegt. Bei den regionalen Titeln (gemessen werden hier im Unterschied zu den überregionalen nur Stellenangebote ab 75 Millimeter) beträgt das Minus 41 Prozent. Dabei ist der Monatswechsel von Januar auf Februar normalerweise ein buchungsintensiver Zeitraum. „In den vergangenen Jahren haben einige Verlage in diesen Wochen bis zu 20 Prozent des Jahresumsatzes im Stellenmarkt erwirtschaftet. Dieser Ansturm ist in diesem Jahr bisher völlig ausgeblieben“, sagt Detlef Sauer, Gründer und Inhaber von S+H Medien Statistik.

Zum Vergrößern klicken! Weitere Charts gibt es unter der News im Kasten "Marktdaten"
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Besonders hart trifft es die großen Titel. Bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und „Süddeutschen Zeitung“ schrumpft der Bruttoumsatz jeweils um rund 8 Millionen Euro gegenüber Januar und Februar 2008. Eine Ausnahme ist „Die Welt“, die wegen des im September gestarteten Tabloids „Karrierewelt“ wachsen kann. „Die Zeit“ hält sich durch ihren hohen Anteil an Inseraten aus dem konjunkturunempfindlichen öffentlichen Dienst etwa auf Vorjahresniveau.

Im regionalen Geschäft ist die Bilanz sehr heterogen. Bundesländer mit niedrigen Arbeitslosenquoten verzeichnen tendenziell hohe Rückgänge. So verlieren Titel in Bayern im Umfang der Stellenangebote durchschnittlich 54 Prozent, in Baden-Württemberg 47 Prozent. In den neuen Bundesländern sind dagegen teilweise sogar Zuwächse zu verzeichnen. Am deutlichsten ist der Ausschlag in Sachsen, wo die Anzeigenumfänge um 175 Prozent gestiegen sind. „Allerdings bewegt sich der Markt auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau“, relativiert Sauer.

Ein neues Phänomen ist, dass aktuell auch die Kleinanzeigenportale im Internet leiden. Während sie in der vergangenen Konjunkturflaute noch davon profitieren konnten, dass sich die Budgets aus der Klassik in Richtung Internet verschoben haben, müssen sie nun erstmals ein dickes Minus verkraften. „Das Medium hat sich etabliert und ist nun von der Krise fast genauso betroffen wie Print“, sagt Sauer. Bei der Anzahl der neueingestellten Stellenangebote registrierte S+H Medien Statistik im Januar einen Verlust von 44 Prozent gegenüber dem Vergleichzeitraum im Vorjahr. Im Februar haben sich die Buchungen zwar etwas erholt, aber die Zahl der Anzeigen schmilzt immer noch um 17,5 Prozent.

Weiterlesen: Monster-Geschäftsführer Marco Bertoli und "FAZ"-Verlagsgeschäftsführer Andreas Formen zur Krise des Rubrikengeschäfts 

 

Marco Bertoli, Geschäftsführer Central Europe bei Monster


Wie empfinden Sie die aktuellen Rückgänge im Rubrikenmarkt - dramatisch oder sehen Sie dem eher gelassen als eine vorübergehende Situation entgegen?

Marco Bertoli, Monster
Marco Bertoli, Monster
Laut unserem monatlichen Monster Employment Index (MEI) entwickelt sich der Online-Anzeigenmarkt gerade wieder positiv. Nach zwei negativen Monaten verzeichnete der MEI im Februar einen Anstieg um 10 Index-Punkte. Dies bedeutet, dass die negative Entwicklung der vergangenen beiden Monate nicht als grundsätzlicher Trend zu betrachten ist.

Was tun Sie, um Ihre Stellung als Onlineportal für Kleinanzeigen zu stärken?

Monster hat ein ganz klares Zeichen gesetzt: Wir haben im Januar diesen Jahres weltweit unser neu gestaltetes Online-Portal präsentiert. Das Ergebnis ist ein deutlich verbessertes Angebot für Jobsuchende mit innovativen und individuellen Möglichkeiten für die Planung und Gestaltung der eigenen Karriere. Dabei erreichen Unternehmen geeignete Kandidaten mit ihren Stellenangeboten leichter und besser. Gerade in Zeiten schwacher Konjunktur brauchen Jobsuchende und Unternehmen passgenaue Lösungen für ihren Bewerbungs- und Rekrutierungsprozess.


Bislang waren immer die Tageszeitungen von Rückgängen betroffen, während Online-Portale von einem Shift von Klassik in Richtung Web profitieren konnten. Nun verzeichnen erstmals Online-Rubrikenmärkte Rückgänge. Wie ist das aus Ihrer Sicht zu bewerten?

Der Online-Stellenmarkt ist der Markt der Zukunft. Monster war 1994 Vorreiter in der Online-Rekrutierung. Zum damaligen Zeitpunkt wurden Stellenanzeigen hauptsächlich in Print-Publikationen, das heiß Zeitungen, veröffentlicht. Heute ist das anders, wie die aktuelle Studie „Recruiting Trends 2009" zeigt, die Monster zusammen mit den Universitäten Frankfurt und Bamberg veröffentlicht. Darin werden die Top-1.000-Unternehmen in Deutschland zu Einstellungstrends befragt. Die zentralen Ergebnisse: 6 von 10 Stellenanzeigen werden auf einer Online-Stellenbörse geschaltet und mehr als zwei Drittel aller Einstellungen kommen online zustande. Das unterstreicht die Bedeutung, die der digitale Stellenmarkt innerhalb von 15 Jahren erlangt hat. Ich gehe davon aus, dass dieser Trend sich künftig noch fortsetzen wird.


Weiterlesen: "FAZ"-Verlagsgeschäftsführer Andreas Formen zur Krise des Rubrikengeschäfts

 

Andreas Formen, Verlagsgeschäftsführer der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung"

Wie empfinden Sie die aktuellen Rückgänge im Rubrikenmarkt - dramatisch oder sehen Sie dem eher gelassen als eine vorübergehende Situation entgegen?

Hält nichts von "düsteren Weltuntergangs-Parolen": "FAZ"-Manager Andreas Formen
Hält nichts von "düsteren Weltuntergangs-Parolen": "FAZ"-Manager Andreas Formen
Wir halten angesichts der angespannten Situation des Rubrikanzeigen-Geschäftes, die auch bei allen Qualitätszeitungen auszumachen ist, nichts von der derzeit zunehmenden Inflation von düsteren Weltuntergangs-Parolen vor dem Hintergrund der fortschreitenden Wirtschaftskrise. Fakt ist, dass die globale Wirtschafts- und Finanzkrise in den letzten Monaten in der Werbe- und Medienbranche zu gravierenden Verlusten geführt hat. So auch im Stellenanzeigen-Geschäft bei der FAZ und ihren Wettbewerbern. Wir gehen davon aus, dass sich speziell bei uns das Minus im Stellenmarkt im Verlauf der nächsten Monate leicht erholen dürfte, weil die FAZ gerade in diesem Segment aufgrund ihrer spezifischen Werbeträger- und Responsequalitäten für die Partner im Personalmarkt kaum verzichtbar ist.

Wie gehen Sie mit dem Rückgang um? Welche Gegenmaßnahmen ergreifen Sie?

Angesichts dieser unbefriedigenden Rahmendaten resignieren wir keineswegs, sondern intensivieren vor allem den Dialog mit Unternehmen, Personalberatungen und -Agenturen. Uns kommt es jetzt darauf an, dass der Personalmarkt gerade in diesen angespannten Zeiten auf die Qualitäten des Marktführers setzt. Einher geht dies mit attraktiven neuen Angeboten der FAZ speziell für den Personalmarkt. So haben wir für unsere Stellenanzeigen den „Response-Multiplikator" konzipiert: Bei der Buchung eines Stellenangebotes mit diesem Response-Multiplikator erscheint die identische Anzeige zusätzlich bis zu zwei weitere Male innerhalb von sechs Wochen im FAZ-Stellenmarkt. Der Preis des Stellenangebotes erhöht sich bei Buchung des Response-Multiplikators vor der ersten Schaltung um nur 35 Prozent - für beide zusätzlichen Schaltungen. Und bei Buchung des Response-Multiplikators nach der ersten Schaltung beträgt der Preis für die beiden zusätzlichen Schaltungen 50 Prozent des ursprünglichen Stellenangebotspreises.

Bislang haben Online-Rubrikenmärkte von dem Shift von der Klassik in Richtung Web profitiert. Erstmals sind nun auch im Netz Rückgänge zu verzeichnen. Wie gehen Sie damit auf ihrem eigenen Online-Portal um?

Die Rückgänge auf Fazjob.net müssen ebenso wie die klassische Printwerbung im Kontext zur derzeitigen wirtschaftlichen Großwetterlage gesehen werden. Eine dauerhafte Sonderkonjunktur der Onlinewerbung gegen den eingangs beschriebenen Abschwung kann es realistisch wohl kaum geben. Und die digitalen Medien müssen auch in schwierigen Zeiten die Marktpartner auf der Kundenseite von ihrer Effizienz genauso überzeugen wie es die gedruckten Medien tun. In diesem Sinne hat die FAZ vor rund zwei Jahren damit begonnen, eine langfristige Internetstrategie aufzusetzen, die zum Ziel hat, nicht nur die Reichweite, sondern anhand ihrer qualitativen Performance ebenso die Onlineerlöse zu steigern. Dabei verknüpfen wir die wachsende Reichweite des Nachrichtenportals Faz.net mit dem Wertschöpfungspotential vertikaler Themenportale, zum Beispiel mit dem Stellen- oder dem neuen Finanzportal. Hier ergeben sich neben dem klassischen Stellenmarkt die Ansätze für neue Themenfelder, die die Fundamente für die Erweiterung unserer Erlösstruktur bilden können. bn
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