Springer vs. Kachelmann: Bild meldet Erfolg - Anwalt widerspricht

Mittwoch, 11. August 2010
Jörg Kachelmann
Jörg Kachelmann

Die PR-Schlacht zwischen Springer und Jörg Kachelmann geht munter weiter. "Bild" verkündete heute schon mal den Durchbruch im Streit mit dem Wetterexperten. Zu voreilig? Kachelmanns Anwalt sieht die Sachlage jedenfalls ganz anders und spricht von einem "alten Hut".  In einer Pressmitteilung hatte Springer heute verkündet, dass Kachelmann auf das gerichtliche Verbot gegen Bild.de verzichten werde. Dies sei am heutigen Mittwoch bei einer mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht Köln bekannt geworden. Damit dürfe Bild.de wieder über das Ermittlungsverfahren gegen den Wettermoderator berichten, teilt Springer mit - und verkauft das als großen Erfolg: "Man kann darin auch das Eingeständnis der Zulässigkeit der Berichterstattung zum jetzigen Zeitpunkt sehen", sagt "Bild"-Anwalt Spyros Aroukatos.

Kachelmann, der sich wegen Vergewaltigungsvorwürfen vor Gericht verantworten muss und gerade 131 Tage in U-Haft saß, hatte im April mit einer einstweiligen Verfügung die Berichterstattung über einzelne Aspekte aus der Ermittlungsakte zunächst verbieten lassen. Nun habe er "die Reißleine gezogen", zitiert "Bild" die zuständige Richterin.

Kachelmanns Anwalt Ralf Höcker sieht die Sachlage ganz anders. Nach Aussage Höckers darf Bild.de schon seit dem 19. Mai wieder über den Fall berichten. Grund: Die Staatsanwaltschaft hatte damals selbst Inhalte aus der Ermittlungsakte via Pressemitteilung öffentlich gemacht. "Damit darf seit dem 19. Mai auch die Presse bestimmte Details aus der Ermittlungsakte zitieren", erklärt Höcker gegenüber HORIZONT.NET. Aus diesem Grund habe Kachelmann für die Zeit nach dem 19. Mai auf die Rechte aus der Verfügung verzichtet. Nach Angaben des Anwalts sei es Springer bei der heutigen Anhörung vielmehr darum gegangen, sich die Rechtmäßigkeit der Berichterstattung auch für die Zeit vor dem 19. Mai bestätigen zu lassen. Damit sei Springer aber gescheitert.

Springer reagiert prompt auf Höckers Äußerung. Gegenüber HORIZONT.NET betont Sprecher Tobias Fröhlich, Kachelmanns Verzichtserklärung wenige Tage vor der Verhandlung zeige, dass dessen Medienstrategie gescheitert sei. "Hätte er nicht selbst zurückgezogen, wäre die einstweilige Verfügung gerichtlich aufgehoben worden. Jetzt versuchen die Anwälte nur noch das Gesicht zu wahren", so Fröhlich. Es verzichte wohl kaum jemand auf die Rechte aus einer für ihn günstigen Gerichtsentscheidung, wenn er die behaupteten Ansprüche tatsächlich erfolgreich durchsetzen könne.

Unklar ist, ob Kachelmann tatsächlich finanzielle Forderungen gegen Springer durchsetzen will. Der Wettermoderator soll von "Bild" rund 2 Millionen Euro Schadensersatz gefordert haben. Eine Klage gibt es aber dem Vernehmen nach noch nicht. mas
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