Springer startet Forbes in Russland / Einstieg beim Westfalen-Blatt

Mittwoch, 14. April 2004

Der Verlag Axel Springer schickt diesen Donnerstag die russische Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "Forbes" an den Start. Eine weitere Zeitschrift soll noch in diesem Jahr folgen, kündigte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner auf der heutigen Hauptversammlung des Konzerns an. Der Lizenztitel erscheint bei der Moskauer Tochtergesellschaft Axel Springer Russia.

"Forbes Russia" wird unter Chefredakteur Paul Klebnikov, 40, auf Basis des US-amerikanischen Originals erstellt. Inhaltlich stehen sowohl nationale als auch internationale Themen auf dem Redaktionsplan. Die Startauflage liegt bei 40.000 Exemplaren. "Forbes Russia" ist der erste Titel der erst im September 2003 gegründeten russischen Springer-Tochter, die Geschäftsführerin Irina Silaevy verantwortet. In Osteuropa ist Axel Springer unter anderem in Polen, Tschechien und Ungarn aktiv. In Polen gibt der Verlag neben der Kauftageszeitung "Fakt" insgesamt 15 Zeitschriften sowie Sondertitel heraus, unter anderem "Newsweek Polska" und das Wirtschaftsmagazin "Profit". In Ungarn ist Axel Springer mit 18 Zeitschriften und zehn Zeitungen der größte Verlag des Landes. In der Tschechischen Republik gibt der Verlag insgesamt acht Zeitschriften heraus.

Zudem wurde auf der Aktionärsversammlung bekanntgegeben, dass Springer beim Westfalen-Blatt einsteigt. Rückwirkend zum 1. Januar 2004 übernimmt das Verlagshaus 14,5 Prozent von den Familien Busse und Best an dem 1847 gegründeten Bielefelder Unternehmen. Die Übertragung der Anteile steht noch unter dem Vorbehalt einer Zustimmung des Kartellamts. "Mit Axel Springer haben wir für unser Haus den Ideal-Partner im Hinblick auf Know-how im Regionalzeitungsgeschäft und publizistische Linie gewinnen können", erklärt Michael Best, Geschäftsführer vom Westfalen-Blatt: "Mit dem Engagement des neuen Partners wird die wirtschaftliche Basis für den zukünftigen Ausbau unseres Verlages als unabhängiges Zeitungshaus gestärkt werden." Die Regionalzeitungsgruppe verkauft im Tageszeitungsgeschäft mit 5 Haupttiteln und 25 Lokalausgaben jeden Tag 133.250 Exemplare (IVW 4. Quartal/2004). Neben den Tageszeitungen ("Westfalen-Blatt", "Herforder Kreisblatt", Westfälisches Volksblatt") umfasst das Portfolio Anzeigenblätter in Ostwestfalen-Lippe, das Pressetransportunternehmen Presse-Logistik, die Reisebürokette Westfalen-Urlaubsreisen und die Fernsehproduktionsfirma und TV-Nachrichtenagentur Cologne News Corporation.

Zudem hat der Verlag auf der heutigen Hauptversammlung das geplante Aktienoptionsprogramm verabschiedet. Der Vorstand von Europas größtem Zeitungshaus wird danach künftig auch in Aktienoptionen vergütet. Das Programm sieht vor, dass die Vorstandsmitglieder Aktien im Wert von mindestens 250.000 Euro zu einem festgelegten Preis von 54 Euro pro Stück kaufen können. Für jede gekaufte Aktie erhalten sie weitere acht Optionen. Die Vorstandsmitglieder dürfen die Optionen frühestens nach zwei Jahren, spätestens binnen fünf Jahren einlösen.

Als Bezugsgröße für die Ausübung dient nicht die Entwicklung des Aktienkurses, sondern des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita). Unterschreitet das Ebita in den kommenden Jahren bestimmte Grenzen, verfallen bis zu 50 Prozent der Optionen. Der Kaufpreis liegt deutlich unter dem aktuellen Kurs von 81,90 Euro. Aufsichtsratsvorsitzender Giuseppe Vita begründet die Differenz mit dem geringen Freefloat der Aktie: "Angesichts der dadurch bedingten enormen Kursvolatilität verbietet sich der aktuelle Kurs", sagte er in Berlin.

Die Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SDK) begrüßt die Gestaltung des Programms, insbesondere die mindestens 250.000 Euro hohe Eigenbeteiligung der Vorstandsmitglieder. "Außerdem ist die Kopplung an Ebita-Zielwerte ist eine wirklich innovative Regelung", lobt Kai Weigert von der SDK. Er gibt aber zu bedenken, dass schwer zu unterschieden sei, ob die Vorgaben leicht oder schwer zu erreichen seien. "Die Angemessenheit des Basiswerts ist fraglich." Für 2005 sollte das Ebita über 236,5 Millionen Euro liegen, für 2007 über 279,5 Millionen. Im vergangenen Jahr erzielte der Verlag ein Ebita von 110 Millionen Euro, für 2004 schließt Springer-Chef Mathias Döpfner angesichts hoher Anlaufinvestitionen für "TV Digital", die sich im zweistelligen Millionenbereich bewegen, einen Rückgang nicht aus. pap / schsch
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