Springer begräbt Kriegsbeil und stoppt Markttest von "B.Z. am Abend"

Donnerstag, 15. April 2010
Springer-Chef Mathias Döpfner
Springer-Chef Mathias Döpfner

"Viel Lärm um nichts" - mit diesem Shakespeare-Zitat lassen sich wohl am besten die aktuellen Ereignisse auf dem Berliner Zeitungsmarkt beschreiben. In knappen Worten verkündet der Medienkonzern Axel Springer heute das Aus von "B.Z. am Abend" - noch vor dem ersten Erscheinungstermin am Montag. "Nach eingehender Prüfung der wirtschaftlichen Grundlagen des Projekts hat Axel Springer entschieden, einen Markttest von "B.Z. am Abend" derzeit nicht weiter zu verfolgen", heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Hintergrund: "B.Z. am Abend" sollte eigentlich ab Montag als abgespeckte Version des Bouldvardblattes "B.Z." in drei Ostbezirken der Hauptstadt erscheinen. Mit einem Copypreis von 40 Cent wollte der Verlag testen, ob sich neue Leserpotenziale erschließen lassen.

Damit hätte Springer jedoch im Revier der Kölner Verlags M. DuMont Schauberg (MDS) gewildert, dessen Titel "Berliner Kurier" im Ostteil Berlins traditionell stärker ist. Das pikante daran: der "Berliner Kurier" trug vor der Wende noch den Namen "BZ am Abend". MDS wertete den Vorstoß des Rivalen als einen Frontalangriff. Vor allem der Kampfpreis von 40 Cent sei nicht nachvollziehbar. "Einerseits proklamiert Mathias Döpfner die publizistische Notwendigkeit, zukünftig im digitalen Bereich Inhalte an die Nutzer zu verkaufen, andererseits soll nun eine Tageszeitung mit einem 33-prozentigen Preisnachlass angeboten werden", sagte MDS-Vorstand Konstantin Neven DuMond auf Anfrage von HORIZONT.NET.

MDS hat gestern bereits einen Gegenschlag angekündigt. Mit "Express Berlin" wollte das Medienhaus dem Rivalen Springer in Westberlin verstärkt Konkurrenz machen. Offenbar wollte Axel Springer nun den drohenden Zeitungskrieg in der Hauptstadt vermeiden. Bereits nach der Wende tobte in Berlin ein erbitterter Kampf um Leser. Gegenseitig versuchten die Verlage, sich mit immer niedrigeren Copypreisen und teuren Marketingaktionen Leser abzuringen. Ohne großen Erfolg: Noch immer zeichnen sich in der Hauptstadt deutliche Unterschiede im Zeitungskonsum zwischen Ost und West ab. In dem Zeitungskrieg wurde lediglich unnötig Geld verbrannt.

Nach dem Rückzug von Springer stoppt nun auch MDS sein Projekt
"Express Berlin". Laut MDS-Redaktionsvorstand Franz Sommerfeld sei ein Papierkrieg ohnehin nicht zeitgmäß, denn der Wettbewerb der Medienhäuser spiele sich in Zukunft auf dem digitalen Markt ab. bn
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