Springer ändert kurzfristig Testmarkt für "Welt Kompakt"

Freitag, 21. Mai 2004

Drei Tage vor Start der "Welt Kompakt" ändert Axel Springer überraschend den Testmarkt. Der Tabloid-formatige Ableger der Tageszeitung wird am kommenden Montag nicht an die Düsseldorfer Kioske kommen, sondern in der Hauptstadt verkauft werden. Man wolle die "Welt Kompakt" "unter möglichst realistischen Marktbedingungen testen. Was in diesem Markt gelingt, das hat Aussagekraft", teilt der Verlag mit. Gegenüber HORIZONT hatte "Welt"-Chefredakteur Jan-Eric Peters die Wahl von Düsseldorf noch vor einer Woche wie folgt begründet: "Es ist ein Ballungsraum mit rund einer Million Menschen in Stadtgebiet und Umland und guter Einzelhändlerdichte. Damit ist diese Region ein repräsentatives Testgebiet und wir können am Ende das Testergebnis recht zuverlässig hochrechnen." Angesichts des kurzfristigen Schwenks liegt nahe, dass die Düsseldorfer Konkurrenz Druck auf den Verlag ausgeübt haben könnte.

Der Test des Tabloid-Formats wird von den Wettbewerbern argwöhnisch beobachtet. In Düsseldorfer Verlagskreisen wird darüber spekuliert, dass Springer die Tragfähigkeit des handlichen Formats für die "Welt" an sich testet. In Großbritannien hat es bereits eine spektakuläre Formatumstellung gegeben. Nachdem der "Independent" seit 30. September 2003 mit zwei Größen erscheint und die Leserschaft im Vorjahresvergleich um ein Drittel ausweiten konnte, kommt die Zeitung künftig nur noch im Tabloid-Format heraus.

Seit dem Einstieg des Finanzinvestors Hellman & Friedman bei Axel Springer gilt die seit Jahrzehnten notorisch defizitäre "Welt" als gefährdeter Kandidat. Ein neues Format könnte ein weiterer Versuch sein, das Blatt aus den roten Zahlen zu holen. "Völliger Quatsch", kommentiert Springer-Sprecher Tobias Fröhlich solche Spekulationen der Konkurrenten, "bei dem Test gehe es ausschließlich darum, ein neues Zeitungskonzept zu testen." pap
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